Meine persönliche Scientology-Geschichte: Von LA über Toronto und Berlin bis nach SFO

alexm

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Von alexm [Englisches Original unter: http://www.forum.exscn.net/showthread.php?t=9778]

Vor Scientology
Dies ist eine lange Geschichte, also hoffe ich, dass ich euch nicht langweile.

Alles begann um 1998 oder 1999 herum. Eines Tages schaute ich nach der Schule Fernsehen. Ich war gelangweilt und hatte nichts Besseres zu tun, deshalb machte ich Entertainment Tonight an, einfach um die Zeit totzuschlagen. An diesem Abend brachten sie ein Special über die „Church of Scientology“. Alles, an was ich mich erinnern kann, war, dass Entertainment Tonight in ein Celebrity Center ging und Danny Masterson aus „That '70 Show“ [deutsch: „Die wilder Siebziger“] über den Purification Rundown sprach (Purif [wird weiter unten erklärt]).

Das interessierte mich und unter dem Eindruck dieser Sendung nutzte ich das Internet und trug meine Neuentdeckung zu Google. Ich gab „Scientology“ ein und einen Augenblick später wurde ich von vielen unterschiedlichen Seiten erschlagen. Ich schaute mir die offizielle Seite an und dachte mir, dass sie interessant wäre. Vielmehr interessierte mich aber „Operation Clambake, Exposing the Secrets of Scientology.“ [http://www.xenu.net] Mein Interesse hielt mich dort fest, ich las an diesem Abend nahezu jede Unterseite und war sowohl fasziniert als auch ein bisschen erschreckt. In den nächsten Tagen las ich mehr und mehr. Ich trug mich auch bei ARS [alt.religion.scientology, einer Gruppe im Usenet, die vor allem von Scientology-Kritikern und Ex-Scientologen genutz wird] ein, was mir später zum Verhängnis wurde, als ich aus dem Staff [„Gruppe der Angestellten“] entlassen wurde, weil ARS eine Suppressive Group [„unterdrückerische Gruppe“] ist und ein Engagement in solchen Gruppen bedeutet, dass man nicht dafür qualifiziert sei, im [Scientology] Staff zu dienen und meist auch nicht für die OT-Levels [Operating Thetan, Stufen innerhalb Scientologies, siehe weiter unten] oder andere Scientology Dienstleistungen zu nutzen.

Nach alldem hatte ich wirklich kein Interesse an Scientology, stattdessen las ich bis 2004/2005 beständig kritische Seiten über Scientology.

2001 begann ich an einem kommunalen College in Toronto Film zu studieren. Ich fiel im ersten Jahr durch und ging im zweiten Jahr zurück, dass ich trotz allem bestand. Während meines zweiten und meines letzten Jahres hatte ich eine harte Zeit. Es schien als wäre nichts, was ich tat, gut genug für meine Profs. Ich arbeitet hart, machte Projekte, aber ich machte sie anders, als die anderen Studierenden und bekam Ärger. Ich nahm eine ziemlich feindliche Haltung ein und war der Überzeugung, dass mich niemand verstehen würde. In dieser Zeit litt ich unter Depressionen und Angstzuständen, nachdem zwei meiner engsten Freunde innerhalb eines Jahres getötet wurden. Ich begann mir philosophische Fragen über meine Existenz zu stellen bis hin zu dem Punkt, an dem ich weinte, schrie und sogar vor Angst bebte. All dies zusammen, inklusive des Gefühls, nicht ernst genommen zu werden, brachten mich dazu, eine Barriere gegenüber sozialen Kontakten aufzubauen, die nur sehr schwer einzureißen war.

2003 nahm ich an acht Sitzungen bei einem Psychologen teil und mochte es überhaupt nicht. Er hatte die Tendenz dazu, mich lächerlich zu machen, weil ich religiös wäre. Bei ihm fand ich keine Hilfe. Diese Erfahrung trieb mich zu Scientology, worüber ich später berichten werde.

Im September 2004 begann ich ein wundervolles Praktikum bei einer Filmcompany in Downtown, eine Postproduction-Firma um Parliament und Adelaide. Ich arbeitete hart, traf einige Berühmtheiten und bekam gute Bewertungen von meinen Arbeitgeber. Ich genoss es, mir vorzustellen, dass dies nach meinem Studium meine Karriere sein könnte. Aber nein, sie hatten kein Geld, um mich anzustellen, vielmehr gab es in diesem Jahr mehrere Entlassungen und die Firma verlor Geld wegen des SARS-Ausbruchs. Also, was sollte ich jetzt tun? Ohne Berufsaussicht und nachdem ich vier Monate in der Postproduktion gearbeitet und es geliebt hatte, was sollte ich tun? Ich war verunsichert und regelrecht verängstigt über meine Zukunft in dieser Industrie.

Ich beendete mein Praktikum im Dezember 2004. Dies war die Zeit, in der ich feststellte, das bei mir zu hause einiges schief lief. Meine Mutter und mein Vater schliefen nicht mehr im gleichen Bett. Mein Vater kam spät nach hause und schlief im Hobbyraum. Im November oder Dezember 2004 überwand ich mich und fragte meine Mutter, was los sei. Sie meinte, dass mein Vater spät nach hause käme und sie nach 27 Jahren sein Schnarchen nicht mehr ertragen könne. Immerhin war das der gleiche Grund, wegen dem meine Tante und mein Onkel nicht im gleichen Raum schliefen. Allerdings war dies nicht der wirklich Grund, wie mir meine Mutter und meine Schwester späterhin eröffneten. Mein Vater hatte eine Affäre. Genauer, er hatte zu diesem Zeitpunkt seit vier oder fünf Jahren eine Affäre. Wir waren ahnungslos, bis meine Schwester ihn direkt ertappte. Ich brauch nicht zu sagen, wobei genau, wir sind alle erwachsen.

Ich hatte niemals eine wirklich gute Beziehung zu meinem Vater. Er verkaufte Autos und war kaum zu hause. Für sieben Tage in der Woche arbeitete er in einem reinen Provisions-Job. Heutzutage funktioniert der Autohandel anders, aber in den 1980ern und 1990ern basierte er einzig auf Provisionen, ohne jede Kranken- oder Rentenversicherung. Dies war bei meiner Mutter, einer Lehrerin, gänzlich anders. In dieser Situation fühlte ich mich verletzt, verängstigt und alleingelassen. Ich eignete mir ein altes Motto an, dass von Soldaten im Vietnam-Krieg ziemlich oft benutzt wurde: „don't mean nothing, not a thing.“ – Es bedeutet nichts, nicht das Geringste.

Meine Depression wurde schlimmer und ich gab praktisch mein Leben auf. Ich betrank mich alleine, sprach kaum mit meinen Freunden und fühlte mich von meinem Vater verraten, obwohl ich ihn immer noch von Zeit zu Zeit traf. Es dauerte einige Monate, bis mein Vater es schaffte aus dem Haus auszuziehen und insbesondere diese Monate waren vollkommen unglaublich. Es gab die ganze Zeit Streit, es war schrecklich, dort zu leben.

Zu alldem kam hinzu, dass vollkommen unerwartet im März 2005 meine geliebte Großmutter starb. Also: in einem Zeitraum von rund sechs Monaten beendete ich mein Studium, was eigentlich eine spannende Zeit in meinem Leben sein sollte. Aber sie war es nicht, denn ich war ohne Jobperspektive, meine Eltern waren dabei, sich zu scheiden und meine Großmutter starb plötzlich an einem Herzversagen aufgrund von Darmblutungen. Im Jiddischen gibt es einen weithin benutzten Spruch: „Oy vay iz mere.“ Ungefähr übersetzt heißt das „Oh mein Gott! Was kommt jetzt noch?“ So, was noch? Was konnte noch schief gehen?

Ich beendete mein letztes Semester, was reine Zeitverschwendung war. Ich war gezwungen einen Kurs mit fünf Wochensemesterstunden über Karrieremanagement in der Filmindustrie zu besuchen. Eine Verschwendung von 2,300 [kanadische] Dollar [rund 1,500€], die ich von einem Studienkredit zurückzahlte. Oh ja, als mein Vater verschwand nahm er nicht nur die Hälfte des Hauses, sondern zudem 50,000 Dollar [rund 32.000€] aus der Pension meiner Mutter mit. Deshalb waren wir quasi pleite und ich musste einen Studienkredit aufnehmen. Oy vay iz mere...!
 

alexm

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Ich und Scientology in L.A. - Ankunft in L.A.

Im Mai 2005, rund einen Monat nachdem ich das College beendet hatte, sprach ich mit einem Freund darüber, L.A. zu besuchen, wo ich mir einige Schulen anschauen wollte. Nachdem mit mir in Toronto nichts anzufangen war, dachte ich, ich würde dorthin gehen, an meiner Filmkarriere arbeiten oder in L.A. zur Filmschule zu gehen.

Mein Freund aus Toronto kam eine Woche später nach L.A. und wir beschlossen, Hollywood zu besuchen. Wir hatten eine Auto gemietet und wohnten in einem wirklich netten Hotel eine halben Block vom Santa Monica Pier entfernt. Ich empfehle das wirklich allen, die noch nie dort waren. Es war, um exakt zu sein, Samstag, der 14. Mai. Mein Freund und ich gingen den Hollywood Boulevard entlang, als wir zwei Menschen trafen. Sie waren „body routers“ [Straßenwerber von Scientology, „body routen“ = jemand erfolgreich ansprechen und zu einer Werbeaktivität von Scientology überreden] und, wie ich später herausfand Sea Org Mitglieder [paramilitärische Elitegruppen innerhalb von Scientology]. Mein Freund und ich gingen in Richtung Ecke Hollywood Boulevard und Vine Street, wo wir direkt an der L. Ron Hubbard Ausstellung [L. Ron Hubbard = LRH, Gründer und Messiasfigur von Scientology] vorbei kamen, die sich direkt unterhalb des „Church of Scientology International“-Gebäudes am 6331 Hollywood Boulevard befindet. Ich war verängstigt und erzählte meinem Freund, dass das eine Sekte sei, aber die Tour war kostenlos und er wollte daran teilnehmen. Ihm war das relativ egal. Also gingen wir mit und ich kam buchstäblich als Scientologe wieder heraus. Ich war davon überzeugt, dass mich das, was ich sah, auf einer spirituellen Ebene ansprach. Wenn mein konfuser Geist schon damals Alarm geschlagen hätte, wäre ich niemals mit Scientology in Kontakt gekommen.

Nach dieser „free tour“ kauften mein Freund und ich eine Stappel von Broschüren für das Volunteer Ministers Handbook [deutsch: „Handbuch für den ehrenamtlichen Geistlichen“, Standardwerk für Scientologen], die – wenn ich mich richtig erinnere – über 40 [US] Dollar [um die 30€] kosteten. Anschließend begannen wir den Hollywood Boulevard entlang zu laufen, die „Stars“ anzuschauen und dann wurden wir wieder „body routed“. Diesmal in das Hollywood Test Center. Erinnert euch, dass ich verdammt nah dran war, davon überzeugt zu sein, dass Scientology von nun an die Religion wäre, die ich praktizieren wollte. Alles, was ich noch tun musste, war, etwas mehr zu lernen. Die body router sahen, dass mein Freund und ich Taschen vom LRH Museum einige Straßen weiter hatten und fragten uns die Goldene Frage: Wollten wir uns selber kennen lernen? Ich erhielt meinen allerersten OCA [Oxford Capacity Analysis, in Deutschland als „Freier Stress Test“ bekannt] im Hollywood Test Center. Ich war interessiert, ebenso mein Freund und so gingen wir hinein.

Dort waren faszinierende Bildschirme und Tafeln, auf denen über die Bestandteile des Menschen gesprochen wurden, über die acht Dynamiken, über das Emeter [Gerät, welches Scientology als „religiösen Gerät“ bezeichnet, eigentlich ein einfacher Lügendetektor] – all die Dinge, über die ich bei Clambake nichts gelesen hatte und Dinge, die ähnlich dem waren, was ich 10 Minuten vorher in der LRH Ausstellung gesehen hatte.

Ich machte den Test und stellt euch vor: mir wurde das Offensichtliche gezeigt. Meine Werte waren niedrig und ich meine wirklich niedrig. Ich hatte nicht einen einzigen Punkt in der optimalen Zone. Ich war depressiv, nervös, unverantwortlich und herzlos gegenüber anderer, aber ich war aktiv und kriegte Dinge fertig, wenn ich mich auf sie konzentrierte. Und so war noch mehr von Scientology überzeugt. Die Kritiker nennen dies den Barnum Effekt [Psychologisches Phänomen, dass Menschen ungefähre Aussagen als Wahrheit über sich selber akzeptieren.] und ich weiß, dass alles, was mir die Scientologen erzählten, vollkommen normale Dinge waren, die für alle Menschen zutreffen. Aber ich war überzeugt.

Nach dem OCA waren mein Freund und ich hungrig, also spazierten wir den Hollywood Boulevard und die Highland Avenue entlang, sahen das Kodak Theater und das Graumann's Chinese Theater. Ecke Hollywood / Highland ist ein McDonalds, bei dem wir anhielten und aßen. Wir verließen den McDonald und wen glaubt ihr, sahen wir draußen „Freie Stress Tests“ anbieten? Ja, genau: mehr Scientologen. Somit hatten wir drei Begegnungen an einem Tag: LHR Ausstellung, Hollywood Test Center und Stress Test. Also: Oy vay iz mere!

Wir wurden von einem Jungen in unserem Alter, vielleicht 22 oder 23, aus Winnipeg angesprochen, der für die „Church“ arbeitete – und eventuell sogar in der Sea Org war, ich bin mir nicht sicher – und erzählten ihm, dass wir schon die Ausstellung gesehen und einen OCA absolviert hatten. Wir sprachen mit ihm und waren der Meinung, dass er cool war. Mein Freund und ich nahmen außerdem relativ viele attraktive junge Frauen wahr, die entweder den Stresstest durchführten oder ihn absolvierte und – lasst uns sagen, wir waren ziemlich beeindruckt von der Anzahl wirklich attraktiver junger Frauen, die wir in allen diesen Zentren gesehen hatten.

Die Woche verging und wir sahen keine anderen Scientologen. Mein Freund und ich schauten sich viele nette Plätze in L.A. und einige Schulen an und ungefähr eine Woche später verließen wir L.A.

Zuhause angekommen war dort quasi nichts. Nachdem das College vorbei war, war es hart, eine Job zu finden und gleichzeitig setzte mich meine Mutter unter Druck, aus dem Haus zu gehen und nach Arbeit zu suchen.
 

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Zusammentreffen in Toronto

In Los Angeles, ich glaube im Hollywood Test Center, hatte ich die Dianetics DVD, betitelt als: Dianetics: A Visualization Into the Mind [deutsch: „Dianetik: Der Leitfaden für den menschlichen Verstand“] gekauft. Dies ist eine DVD von der ich jetzt weiß, dass sie sehr irreführend und sehr pseudo-wissenschaftlich ist, in der Weise wie Informationen als wissenschaftlich verkauft werden, ohne das eine wissenschaftliche Studie angeführt werden könnte und dass in einer pseudo-wissenschaftlichen Sprache.

Ich schaute mir die DVD an und genoss sie. Sie sprach mich an, da ich schon immer wissen wollte, was der Geist und das Gehirn genau war und wie das alles funktionierte. Dann kam das Versprechen, dass man in der Lage wäre, mit Auditing [Befragungstechnik, die bei Scientology mithilfe des Emeters durchgeführt wird und dabei helfen soll, sich selber kennen zu lernen, seine Probleme zu lösen und später Thetanen – siehe weiter unten – zu befreien] Menschen zu helfen und das war es, was das Ganze an mich „verkaufte“. Wenn ich wirklich in den Lage sein sollte, Menschen zu helfen und ich meine, wirklich zu helfen in einem spirituellen Sinn, dann – so dachte ich damals – war das genau das Richtige für mich. Zumindest war es das, was die Propaganda sagte.

In der DVD war eine 1-800-Nummer, also rief ich dort an und erzählte dem Mitglied, dass ich daran interessiert war, sowohl Auditing zu erhalten als auch selber Auditor [Person, die das Auditing durchführen darf] zu werden. Der Mann fragte, wo ich wohnen würde und ich meinte, Toronto. Sofort gab er mir eine Telefonnummer und zwar nicht die der „Church of Scientology of Toronto“ oder von einem Kurs, sondern die einer Firma namens „Dianetics Foundation of Toronto“. Ich wusste, dass Dianetik und Scientology für mich nach meiner Erfahrung in L.A. zusammen gehörten und dachte nun, dass es seltsam war, dass sie hier getrennt waren. Der Grund ist selbstverständlich die negative Konnotation des Wortes Scientology und der Fakt, dass es sicher und marktgängiger ist, das Ganze als Dianetik zu verkaufen.
 

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Mein erster (und einzig echter) Sieg in Scientology.

Also rief ich bei der Dianetics Foundation of Toronto an und sprach dort mit einem Gentleman, den ich späterhin näher kennen lernen würde. Er ist seit den frühen 1970ern in Scientology und ein OT VII [OT = Operation Thetan, interne „Wissensstufen“ innerhalb von Scientology, die sich erarbeitet oder erkauft werden müssen. Insgesamt gibt es – zumindest bisher – OT I bis OT VIII und die gesamten Dokumente, die innerhalb von Scientology für das lernen dieser Stufen verwendet werden, sind heute auch mehrfach online veröffentlicht.]. Er meinte, dass es am Besten wäre, wenn ich in die Org [Org = Gebäude der „Church of Scientology“] käme, wo es ziemlich viele Dianetik-Kurse geben würde, die mir helfen könnten, ein Auditor zu werden. Ich stimmte zu und fuhr von dort, wo ich wohnte, in die Innenstadt. Ich wohnte nördlich von Steels [dem Industriegebiet], also in einem der Vororte von Toronto.

Es war nicht schwierig zu finden, da ich wusste, wo die „Church“ in der Yonge Street südlich der Bloor Street war. Also ging ich hinein... was für ein Loch. Das Gebäude ist alt, die Fahrstühle fahren nicht und es sah aus, wie eines dieser Bürogebäude aus den alten Film Noir. Unnötig zu sagen, dass ich mich fragte, ob das wirklich der Ort wäre, an den Menschen kämen, um etwas über ihren Geist zu lernen. Aber ich war weiterhin interessiert.

Ich traf einen anderen Mann, mit dem ich mich gewissermaßen befreundete, also solange ich etwas spendete war ich mit ihm befreundet. Ehrlich, er war der Public Registrar [auch Reg, in Scientology die Person, welche Persönlichkeitstests interpretiert und dabei Kurse verkauft]. Wir redeten für vielleicht 10 oder 15 Minuten über Dianetik, meinen Trip nach L.A. und auch, wozu ich Dianetik einsetzen wollte. Ich meinte, dass ich sowohl eine Auditing bekommen als auch lernen wolle, um ein professioneller Dianetik Auditor zu werden. Ich war ein wirklich einfacher Kunde, da ich klar wusste, was ich haben wollte und zudem mehr als bereit war, für meinen ersten Kurs zu zahlen, was es auch kosten würde. Der Reg empfahl mir das Hubbard Dianetics Seminar, welches 52 [Kanadische] Dollar [rund 33€] kosten würde. 52$? Ernsthaft? Das war es, wenn ich mich richtig erinnere. Das war tatsächlich etwas ganz anderes, als die tausenden oder hunderttausenden Dollar für Kursgebühren, von denen die Websites der Kritiker berichteten. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Unterschied zwischen Div 6 Kursen [die Anfängerstufe] und den „Academy Level“ Kursen oder den Kosten für intensives Auditing. Insoweit war meine Einschätzung nicht richtig. Ich wurde Kunde, wurde in den Kurs eingeschrieben, bekam im Buchladen das Kurspaket und betrat den Div 6 Kursraum.

Ich wurde in den Kursraum geschickt, um die Div 6 Kurs-Supervisorin zu treffen. Sie war eine ältere Frau, die ich später noch kennen lernen würde. Sie hat das „purple hand“-Syndrom, dass auch Katie Holmes seit kurzem entwickelt hat [Eine Verfärbung und Verhärtung der Hände, die als Nebenwirkung einer spezielle Scientology-Diät, welche hauptsächlich aus Vitaminen und übermäßigem Sport besteht, auftritt. Kein klinischer Fachbegriff.]. Ich frage mich, ob es etwas mit dem Purif [Purification Rundown, die genannte Scientology-Diät, die vorgeblich zur „Entgiftung“ des Körpers führen soll, teilweise aber auch lebensgefährlich werden und bleibende Schäden hinterlassen kann] zu tun hat, weil ich auch in Berlin einige Frauen kannte, die es hatten. Ich ging in den Kursraum und erinnere mich, einige Menschen mit ihren Kurspaketen gesehen zu haben, die gleichzeitig in zwei, drei, manchmal auch vier Wörterbüchern nachschlugen und dass ich dachte, dass das merkwürdig sei. [Die Hauptform des „Studiums“ in Scientology besteht im Lesen von kodifizierten Texten und dem ständigen Nachschlagen von nicht bekannten und/oder „verstandenen“ Begriffen in Wörterbüchern. Eine eigene Interpretation der Texte ist nicht erwünscht.] Mir wurde von der Supervisorin gesagt, dass ich erst ein Diantik Auditing erhalten müsste, bevor ich mit dem Kurs starten könnte. Dafür war ich ja auch gekommen.

Also wurde mir die zweite Etage gezeigt, in der es zwei Auditingräume gab. Außerdem wurde mir gesagt, dass ich auf mein Auditor warten solle. Mehr als nur einige Minuten gingen vorbei und dann tauchte eine Frau auf, wahrscheinlich in ihren 50er, die aussah wie ein New Age Hippie, wirklich ruhig, ziemlich relaxt und vollkommen wie einen Erscheinung aus den 60ern. Sie stellte sich selber vor. Dann brachte sie mich in den Auditingraum und fragte, ob ich satt war, wie viel ich in der Nacht geschlafen hätte etc. Sie nennen dies „Rudiments“ [Grundlagen]. Sie ging ihre Liste durch und dann begannen wir mit dem Auditing.

Ich erinnere mich, dass wir einiges sehr Persönliches besprachen, hauptsächlich über meinen Vater und Vorfälle, bei denen er und meine Mutter stritten, als ich ein Kind war und wie er auf mich wütend wurde. Ich tat alles, was mein Auditorin von mir wollte. Ich rief mir – zumindest meinte ich das – Farben, Gerüche, Bemerkenswertes und andere Dinge ins Gedächtnis. Weiß jemand, was das False Memory Syndrome ist [Syndrom, bei denen Dinge erinnert werden, die nicht stattgefunden haben, aber bei denen die Überzeugung vorherrscht, dass sie wahr seien]? Ich bin mir sicher, dass ich einige dieser falschen Erinnerungen hatte.

Was ich albern finde ist, dass Hubbard mehrfach sagt, dass Dianetik nicht Hypnose ist und ich mich gleichzeitig während der Auditing Sessions oft in trancehaften Zuständen wiederfand. Ich weiß, dass ist nicht mit Meditation zu verwechseln, aber ich erlebte die Trance sehr hypnosehaft. Weiß beispielsweise jemand, wie man eine Dianetik-Session beendet? Irgendjemand?

Wenn ich von Fünf herunter zähle und dann mit den Finger schnippe, wird das klar werden.
5, 4, 3, 2, 1, Schnipps!

Klingt das nicht auch für andere ziemlich nach Hypnose?

So, nachdem die Auditorin mit ihren Fingern schnippte, hatte ich meinen ersten (und einzigen) Win [Sieg] in Scientology. Ich fühlte mich ruhig, glücklich, aufmerksam, frisch, zufrieden und wissend. Dies nennen Scientologen „keyed out“ [eine Eingebung haben]. Es war eines der stärksten Gefühle, das ich jemals im Leben gehabt hatte. Es war, als hätte mir jemand einen Amboss vom Kreuz genommen, der dort seit Jahren gewesen war. Unnötig zu sagen, dass dieses glückselige, euphorische Gefühl unbeschreiblich war. Doch, wie die Buddhisten sagen, alle Dinge im Leben sind unstet und alles ändert sich mit der Zeit.

Um diese zu klären: ich praktiziere einerseits ein reformiertes Judentum als meine eigene Religion und bin zudem am nichrien'schen Buddhismus [einer Richtung des japanischen Buddhismus] interessiert. Insoweit werde ich Menschen, die Ähnliches erlebt haben, nicht sagen, dass sie falsch lägen oder dass dies keine religiöse oder spirituelle Erfahrung gewesen sei. Dennoch, für mich sind die Gefühle, die ich nach dem Auditing erlebte, ein Resultat davon, hypnotisiert worden zu sein und falscher Eindrücke von Glückseligkeit etc., die durch die Manipulation falscher Erfahrung vermittelt wurden. Ich glaube, dass weder Auditing noch Scientology echte religiöse oder spirituelle Erfahrungen hervorbringen kann, zumindest nicht so, wie sie es behaupten, nämlich ohne Manipulation unserer Gefühle und Erinnerungen. Für mich ist das noch viel gefährlicher, nicht nur für unsere geistige Gesundheit, sondern auch für unsere Spiritualität, da man für Wunder und Errettung bezahlt, die nicht anders als durch Manipulation produziert werden können.
 

alexm

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Ein Scientologe werden

Es ist also nun Mai 2005 und ich werde meine Geschichte beschleunigen. Bis jetzt habe ich kritische Websites gelesen, war ungefähr eine Stunde auf ARS, ohne wirklich etwas gelesen zu haben, besuchte L.A., absolvierte meinen erste OCA, kaufte die DVD und sah sie mir an, war in der Toronto Org und hatte meine ersten Sieg in Scientology erlebt.

Während der Sommer 2005 voran schritt, nahm ich immer mehr Kurse in der „Church“. Zu dieser Zeit hatte ich immer noch keinen Job. Ich beendete mein Hubbard Dianetik Seminar im Juni 2005 und absolviert noch einige professionell betreute Sitzungen. Ich holte aus diesen Sitzungen nicht die gleichen Gewinne, wie aus der ersten. Am Ende machte ich auch den Kommunikationskurs aus dem Volunteer Ministers Handbook, den ich hasste. Ich machte nicht alle TRS [Training Routines, Übungen im Rahmen des Kommunikationskurses], dennoch kam ich letztendlich durch den Kurs.

Als der Herbst anbrach, war ich immer noch arbeitslos und hatte auch sonst nichts zu tun. Ich erzählte meiner Mutter, dass ich bei Scientology wäre und sie dachte, dass es gut war, wenn ich etwas zu tun hatte, anstatt die ganze Zeit zu Hause zu sitzen und den ganzen Tag über nichts zu tun. Meinen Vater erzählte ich es nicht, aber das ist eine Geschichte, die ich später berichten werde.

Um die Geschichte abzukürzen: Ich kriegte im August 2005 einen Job in Europa, während ich noch den Kommunikationskurs besuchte. Ich nahm ihn an, weil es eine großartige Möglichkeit für mich darstellte, fortzugehen, erstmals für mich alleine zu leben und mich selber kennen zu lernen. Viele Collegeabsolventen tun Ähnliches und das ist meist eine großartige Erfahrung, so war es auch bei mir.

Im September 2005 fuhr ich nach Europa. Ich war schon einige Male zuvor in Europa gewesen, da meine Familie von dort herstammt. Ich war in verschiedenen Ländern und genoss die Kultur und Geschichte Europas. Unnötig zu sagen, dass es etwas war, was ich schon immer hatte tun wollen.

Ich endete in Berlin, während ich in Europa arbeitete. Also mailte ich augenblicklich der dortigen Org, da ich meine nächsten Kurse beginnen wollte und wusste, dass es in Berlin eine Org gab, wo ich dies tun konnte.

Ich trat mit einer Frau in Kontakt, die in ihren 40ern ist und ebenfalls das Purple-Hand-Syndrome hat. Sie war es, die mich schließlich rekrutierte und im Mai 2007 zum Staff [Personal] in der neuen Berliner Org machte.

Ich begegnete ihr das erste Mal im Dezember 2005. Sie traf mich in ihrem Apartment im Süden, im ehemaligen Amerikanischen Sektor von Berlin, bekannt als Mariendorf. Sie lebte ungefähr fünf Minuten Fußweg von der Org entfernt. Schlussendlich schlief ich ein Nacht in ihrer Wohnung und lernte auch ihren Ehemann, jetzt Ex-Ehemann, kennen. Auch das ist eine Geschichte, die ich später noch berichten werde.

Sie fragten mich auch, woher ich Scientology kennen würde und ich berichtet ihnen von meinen früheren Erfahrungen mit kritischen Seiten und ARS. Erinnert euch an diesen Fakt, dass ich dieser Frau mehrfach von ARS erzählte und sie mich dennoch nicht nur für anderthalb Jahre als Staff rekrutierte und dass sie mich anstellte, obwohl sie wusste, dass ich bei ARS einst eingeschrieben war. Selbstverständlich erzählten sie mir, dass ich damals auf die falsch Seite gehört hätte, da sie selber OT III wären und ich nichts zu fürchten hätte. Ich fühlte mich sicher und wusste zu dieser Zeit, dass sie im Recht waren. Lange Geschichte kurz: letztlich machte ich dort die meisten meiner Hubbard Auditor Kurse, bevor ich Europa im Juni 2006 wieder verließ.
 

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Mein Besuch in Saint Hill, UK

Als ich in Europa war, hatte ich die Möglichkeit ein wenig herum zu reisen. Immer, wenn ich irgendwohin fuhr, ging ich zur lokalen Scientology-Org und sagte Hallo. Von September 2005 bis Juni 2006 besuchte ich die Berliner Org, die Budapester Org, die Prager Mission und Saint Hill in East Grinstead [ehemaliges Hauptquartier von Scientology, (1959-1966), Scientology-Hauptquartier in Großbritannien und der Ort, an dem die meisten Grundzüge von Scientology ausgearbeitet wurden].

Ich erinnere mich sehr gut meines Trips nach Saint Hill; diese sticht für mich aus allen anderen Orgs aus einem Grund heraus, wegen des Regging [aggressiver Verkauf von Scientology-Service], dem ich dort unterworfen wurde. In den anderen Orgs schienen die Leute vollkommen okay zu sein. Niemand versuchte, etwas zu pushen, nicht so wie in Toronto. Toronto ist eine sehr antreibende Org und ich mochte es niemals, dort zu Veranstaltungen zu gehen. Ich werde später darauf zurückkommen.

Ich kam in London, England, am 23. Dezember 2005 an. Ich war in London, weil ich dort meine Mutter und meine Schwester zum Weihnachtsfest traf. Ich flog ein und nahm die U-Bahn zum Hotel, wo ich die Nacht über ausruhte. Am nächsten Tag, den 24., ging ich zur Victoria Station, um dort den Zug zu nehmen, der in rund 55 Minuten nach East Grinstead fahren würde. Ich erinnere mich, wie ich dort um 12 Mittags ankam.

Ich stieg aus dem Zug und hielt nach einem Taxi Ausschau, dass mich nach Saint Hill bringen sollte. Ich wartete über zwei Stunden. Es kam kein Taxi. Es gibt dort höherwertige Pick Up Cars, die aber nur mit Reservation genutzt werden können und also keine richtigen Taxis darstellen. Man muss die Firma anrufen, um einen Fahrtermin zu vereinbaren, um ein solches spezielles Auto zu kriegen. In Taxis steigt man einfach ein, ohne Vorbestellung. Nach zwei Stunden Warten forderte mich ein Man von den reservierten Taxis auf, in sein Auto zu steigen, damit er mich nach Saint Hill bringen könne. Er nahm sogar nur ein paar Pfund, weil ich zwei Stunden gewartet hatte. Er war ein netter Mensch. Ich erinnere mich, dass er mich fragte, ob ich Amerikaner sei und ich sagte, nein, ich sei Kanadier, woraufhin er sich weiter über George Bush, Fox News und Homosexualität ausließ. Es war gewiss interessant, aber sein Akzent war so stark, dass ich nur einzelne Worte verstand.

Als ich beim Schloss ankam, verschlug es mir den Atem. Hier war es also, wo L. Ron Hubbard, der größte Freund der Menschheit, während der 60er gearbeitet und gelebt hatte. Dies war der Ort, wo so viele „Entdeckungen“ gemacht wurden, wie die OT Level, die PTS/SP Technik [SP – Supressive Person, eine Person, die zum Feind von Scientology erklärt wird und damit innerhalb der Organisation als vogelfrei gilt, verfolgt und angegriffen werden darf und zu der sonstiger Kontakt untersagt ist, wird auf Kritiker, Aussteiger und andere Personen angewandt; PTS – Potential Trouble Source, ein Scientologe, dem unterstellt wird, durch Kontakt mit einer SP Scientology und seine Arbeit in Scientology zu gefährden; PTS/SP Technik, Anweisungen, wie mit SPs und PTSs umgegangen werden soll] und die Saint Hill Special Briefing Kurse. Um es so zu sagen: ich war überwältigt, wenn nicht mehr.

Sobald ich aus dem Taxi ausstieg, kam ein Mann auf mich zu und fragte, ob ich Sea Org Mitglied sei, zum Staff gehören würde oder zur Öffentlichkeit. Ich sagte ihm, dass ich ein Besucher aus Kanada sei und sofort zeigte er mir den Haupteingang von Saint Hill Castle. Er schien ein sehr freundlicher Gentleman zu sein und erzählte mir, dass sein Name Liam sei und er aus Edinburgh, Schottland stammen würde. Höchstwahrscheinlich war er ein Sea Org Mitglied.

Sofort, als ich die Lobby betrat, war ich von Reges [Verkäufern von Scientology-Services] umringt, die mich fragten, wer ich war, wo ich herkam und so weiter. Alle Reges waren sehr attraktive, junge Frauen. Ich war von ihrer Schönheit geblendet und liebte ihren Akzent. Ich konnte nicht glauben, dass da diese drei hinreißenden jungen Frauen waren, die mir so viel Aufmerksamkeit entgegen brachten. Das war selbstverständlich alles Teil der PR-Strategie, sie hofften, dass ich viel Geld spendete, indem sie machten, dass ich mich behaglich fühlte.

Dann wurde ich schnell in den Buchladen gebracht, wo eine nicht so attraktiver Französin, die hauptsächlich mit mir französisch sprach, weil ich aus Kanada kam – obwohl ich selber kaum ein Wort französisch verstehe –, begann, mir Dinge zu aufzuschwatzen, bis ich ihr sagte, dass ich sie nicht verstehen würde. Sie war schockiert.

Zu dieser Zeit waren „die Kongresse“ [Eine Reihe von Audioaufnahmen von Treffen, die L. Ron Hubbard in den 50er und 60er Jahren mit seinen Anhängern veranstaltet hatte.] noch das große Ding in Scientology. Ich hatte einige Wochen vor meinem Besuch jemandem in Großbritannien gemailt und ihm mitgeteilt, dass ich ein Abonnement der sogenannten Klassischen Vorlesungen war. Praktisch erhielt man dabei für 15 Dollar [9,50€] im Monat eine Vorlesung von L. Ron Hubbard. Die Themen variierten, aber praktisch machten die Kongresse die klassischen Vorlesungen überflüssig. Ich wollte 10 Vorlesungen für 100$ [rund 63€] kaufen, was ich als Abonnement tun konnte. Aber lasst mich sagen, dass das sehr schwierig war. Ich wollte Geld spenden und Material erhalten, aber niemand wollte das zulassen.

Schließlich, nachdem sie mit mir in Englisch gesprochen hatte, setzte sie mich an das digitale Terminal, dass in allen Buchläden in den Orgs existiert. Dort werden Ausschnitte der Vorlesungen von Hubbard in 14 Sprachen oder so gespielt. Mir wurde gesagt, ich solle mich hinsetzen und Beispiele aus allen Kongressen anhören, insgesamt 18. Ich begann und es war langweilig. Meine Aufmerksamkeit wanderte zu den großen Material-Tafeln, welche links neben dem Terminal hingen und ich fragte mich, wie Ron all diese Bücher hatte schreiben und Vorlesungen halten können. Einige Male fragte ich, ob ich den Waschraum benutzen könnte, und mir wurde gesagt Nein. Ich versuchte aufzustehen, aber die Französin überredete mich, mich wieder hinzusetzen. Ich wurde genervt, aber letztendlich hörte ich alle 18 Beispiele an.

Dann wurde ich zur Verkaufsfläche geführt. Immer noch musste ich aufs Klo und hatte außerdem nur noch wenig Zeit, weil ich den Zug zurück nach London nehmen musste, da meine Mutter und meine Schwester am nächsten Tag ankommen würden. Es war jetzt gegen vier Uhr nachmittags oder so und ich war seit vier Stunden in East Grinstead, zwei Stunden hatte ich auf das Taxi gewartet und zwei Stunden Beispielen aus den Kongressen zugehört. Was für eine Zeitverschwendung.

Wie ich sagte, saß ich immer noch in der Verkaufsarena und sie versuchten weiterhin, mir die gesamten Kongresse für zwei- oder dreitausend Dollar [1,300-1,900€] zu verkaufen. Ich sagte ihnen mehrfach, nein, ich wollte meine 10 klassischen Vorlesungen. Die ganze Zeit über bezeichneten die Verkäufer die Tech [Scientology-Terminus für Technik, d.h. die Handlungsanweisungen für die spezifischen Rituale und Vorgehensweisen] aus den klassischen Vorlesungen als veraltet und auch mich, wegen des Versuchs, etwas Billigeres zu kaufen. Das ist etwas, was all die Verkäufer nicht tun sollten. Schließlich sagte ich ihnen, okay, weil es gegen sechs oder sieben Uhr war und ich wirklich sofort los musste, aber ich brauchte Geld, um auch nur einen Kongress zu kaufen, der damals 120 Pfund kostete. Dieser war in meinem Fall „Anatomy of the Spirit of Man Congress“ [deutsch: „Kongress über den Aufbau des menschlichen Verstandes“]. Ich sagte, dass ich Geld holen müsste und innerhalb eines Augenzwinkerns waren dort auf einmal zwei Sea Org Mitglieder, die mich in die Stadt fahren würden, um das Geld vom Bankautomaten zu holen. Wir fuhren in die Stadt und ich tat so, als würde die Maschine meine Karte nicht akzeptieren. Hätte ich Geld abgehoben, hätte ich über fünf Pfund Gebühren zahlen müssen und dachte mir, für diese Leute, niemals. Unglücklich fuhren mich die Sea Org Mitglieder zurück nach Saint Hill und brachten mich gleich wieder zum Verkauf.

Um meine Sturrheit und das Fehlen des Tone 40 Verhaltens [Tone 40 – Innerhalb von Scientology wird die Kategorisierung von Menschen und Verhaltensweisen über eine Tonskala vorgenommen. Diese Skala soll helfen, zu erkennen, was Menschen denken und planen. Tone 40 ist die höchste, Tone -40 die niedrigste Stufe. Dabei ist Tone 40 praktisch mit der begeisterten Unterwerfung unter Anweisungen von Scientology gleichzusetzen.] zu überwinden, brachten sie eine Kanadierin aus Sasketchewan herbei. So, wie sie dabei war, hätte sie mich vom letzten Scheiß überzeugt, nur damit ich am Ende die Kongresse auf meine Kreditkarte nahm, was ich Dummkopf auch tat. Der Verkauf war vorbei und ich hatte die Kongresse. Unterdessen war es nahe acht Uhr und ich hatte zu gehen.

Ich verließ die Verkaufsfläche und eines der attraktiven Mädchen kam zu mir und versuchte, mich für die Sea Org zu werben, indem sie mir die Slideshow zeigte, für die Jason Beghe [US-Schauspieler, lange Zeit – vor Tom Cruise – das Öffentliche Gesicht Scientologies in den USA; gilt als erster Prominenter, der Scientology verlassen hat; bekannt durch ein Interview, dass er nach seinem Austritt aus der Sekte mit Mark Bunker gemacht und in dem er Scientology aus der Perspektive eines ehemaligen hochrangigen Mitgliedes beschreibt.] das Voice-Over gemacht hat. Das dauerte 30 Minuten, ich erzählte ihr, dass ich tief in Schulden stecken würde, was so nicht stimmte – nur um von ihr weg zu kommen. Ich dachte mir, dass das ziemlich traurig sei, weil sie sehr heiß war und mich ziemlich anging. So, nun war es nahe neun Uhr, ich hatte Hunger, musste aufs Klo und musste mit meine neuen Kongressen den Zug erreichen. Ich renne ins Bad, sobald ich heraus komme, sind dort zwei Menschen von Verkauf und versuchen, mich für die IAS [International Association of Scientologists] und für das Super Power zu werben [Super Power Building in Clearwater, Florida, einer der beiden Zentralen von Scientology. Das Super Power Building soll das größte Scientology-Gebäude werden und insbesondere ein Sea Org Museum enthalten. Aktuell wird es nicht weiter gebaut.]. Das Gespräch dauerte rund 15 Minuten. Schließlich ging ich in die Kantine, wo ich für rund 15 kanadische Dollar [rund 9,50€] zwei Stück Fried Chicken, einen Brownie und einen Drink bekam. Ich war so was von angepisst.

Ich ging zur Rezeption, um zu fragen, ob mich irgendwer zur Bahnstation bringen könnte und sah dort die beiden Sea Org Mitglieder, die mich zum Bankautomaten gefahren hatten. Was sie sagten? Ratet mal. Niemand würde mich fahren können, vielmehr würden sie ein Taxi rufen.

Beleidigt und wütend von dem ganzen Unsinn ging ich zum Taxistand und wartete dort mit einer anderen attraktiven jungen Französin, die auch anfing, mit mir französisch zu reden, als ich ihr erzählte, dass ich Kanadier sei. Verdammt! Sie wartete mit zwei anderen Menschen aus Seattle auf ein Taxi. Ich erzählte ihr, wie angepisst ich von dem Verkaufsdruck sei und sie verspottete mich, indem sie sagte, dass es meine eigene Verantwortung und damit mein eigener Fehler war. Ich würde die Kongresse genießen, weil die Tech so erstaunlich sei, aber hauptsächlich schob sie mir den Schwarzen Peter zu. Ich war hereingelegt worden, aber ich fühlte mich schon nicht mehr so schlecht. Es war nicht der Fehler der „Church“, wenn sie so aggressiv waren und mich so anpissten, sondern es war meiner. Diese kranke Rechtfertigung existiert viel zu sehr innerhalb von Scientology und sie ist der Hauptgrund, warum ich kein Mitglied mehr bin.

Wieder kurz: Ich nahm den wirklich letzten Zug weg von dort, ging in mein Hotel, aß und ging ins Bett mit dem Gedanken, um nächsten Morgen meine Mutter und meine Schwester zu treffen. Ich übernehme meine Verantwortung, aber hätte ich nicht dieses Mädchen getroffen, wäre ich wohl schneller aufgewacht und hätte Scientology zu diesem Zeitpunkt verlassen, zumal es nicht die erste Zeit war, dass ich von aggressiven Verkaufszwang genervt war und es auch nicht das letzte Mal blieb.
 

alexm

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Rückkehr in das Land aus Bier und Doughnuts

Im Juni 2006 kehrte ich nach Kanada zurück, nachdem ich neun Monate drüben in Europa gearbeitet hatte. Sobald ich zurück kam, wollte ich meine Hubbard Dianetik Auditor Kurs beenden und ging dafür rüber zur Toronto Org. Dort hatte es eine große Veränderung gegeben seit ich weggegangen war. Der Kursraum war nicht mehr dort, wo er zuvor war, sondern war in das Erdgeschoss verlegt worden. Zudem waren bestimmte Personen, die zuvor hohe Posten hatten, jetzt auf niedrigeren Posten eingesetzt. Ich habe keine Ahnung, was passiert war, es war, als wäre die Org transformiert worden. Nun, es gab nach dem IAS 2005 Treffen einen großen Schub, um die Toronto Org zu einer Ideal Org [höchste Ausbaustufe, die eine lokale Org – außer in Saint Hill, Clearwater und der Gold Base bei Hemet, Kalifornien – erreichen kann. Dies bedeutet intensive infrastrukturelle und personale Umbauten, kostet viel Geld und soll dazu beitragen, Scientology weiter und besser zu verbreiten] zu machen – dieser Druck war da. Bislang ist sie es aber immer noch nicht.

Mehr als einmal war versucht worden, mich als Staff zu engagieren, bis zu dem Punkt, dass ich nicht mehr in die Org gehen wollte. Ich versuchte es, aber ich trat nicht dem Staff bei. Der Staff macht, dass sich die Leute wirklich unwohl fühlen, mit ihren ganzen aggressiven Taktiken, aber ich verweigerte mich und eher früher als später hörten sie auf, mich zu fragen.

Das war zu einer Zeit, als ich mit der Org in Budapest in Kontakt stand und plante, dort dem Staff beizutreten, da mein Großvater und seine Frau dort lebten. Um das kurz zu machen: mein Ziel war, dort im August 2006 anzufangen und im November 2006 war ich es immer noch nicht da, hauptsächlich wegen der Inkompetenz in der Budapester Org.

In der Zwischenzeit hatte ich meine Auditorkurse absolviert, begann den Cause of Suppression Volunteer Minister Kurs [deutsch: „Die Gründe der Unterdrückung“] und hatte den Ups and Donws in Life Kurs [deutsch: „Auf und Abs überwinden“] bestanden, als ich begann, Problem mit Scientology herbeizuführen. Es passierte, nachdem ich meinen Suppression-Kurs absolviert hatte. Es war das erste Mal, dass ich in die Org musste, um mir das Bestehen eines Kurses bestätigen zu lassen. Ich hasste diese Bestehen immer, weil ich der Meinung war, ich hätte meine Arbeit getan und wüsste alles, was zu lernen war und ich sah keine Grund, nochmal ans Emeter zu gehen. Für mich war das eine Zeitverschwendung. Nun, bei mir schlug die Nadel des Emeter aus irgendwelchen Gründen nicht aus, was zusammengefasst heißt, dass ich bestanden hatte und der Kurs vollständig und komplett war.

Also kam ich weiter aus der Vorstadt angefahren, was mich Geld fürs Parken und Benzin kostete. Ich machte gar keine Kurse, sondern kam nur für Nachkontrollen, die – so dachte ich – eine vollkommene Vergeudung von Zeit und Geld war. Ich zahlte wohl 100$ [etwas über 60€] für parken und tanken, nur für diesen einen Besuch, ohne einen Kurs zu besuchen.

Ich mochte auch niemals die Professionellen in der Toronto Org, ich empfand sie als sehr inkompetent und unterqualifiziert. Dort war ein Mann, der Prüfer war und selber kaum etwas von dem verstand, was er tat. Sie nehmen dort jede Auditing-Sitzung auf Video auf, was normalerweise getan wird, wenn die Qualitätsabteilung oder die Tech Probleme mit der Standardtechnik haben und die Supervision das Staff korrigiert. Dies war bestimmt so, weil die Stats down waren [Stats down = Statistiken unten. Wöchentliche Statistiken sind das Hauptkontrollinstrument in Scientology. Jeder Scientologe und jede Scientology-Organisation ist verpflichtet, positive Statistiken zu liefern, also beispielsweise mehr Bücher zu verkaufen, als in der Woche zuvor. Eine negative Statistik wird immer auf Fehler der jeweiligen Person oder Organisation zurückgeführt, niemals auf andere Gründe, beispielsweise Proteste vor der Org. Bekannt ist, dass Scientologen regelmäßig solche Statistiken fälschen oder zumindest beeinflussen, um nicht bestraft zu werden.] oder so was, aber als öffentlicher Besucher erfährt man davon nichts. Jedes Mal, wenn ich zum Prüfen vorbei kam, nahm der Mann unsere Sitzung auf Video auf und ließ sie von Hauptsupervisor und dem technischen Sekretariat prüfen. Wenn die Nadel [des Emeter] nicht ausschlug, musste ich ständig mehr Word Clearing [Nachschlagen angeblich nicht verstandener Worte in Wörterbüchern] oder so machen, was ich immer hasste. Schließlich schlug die Nadel nach vier Versuchen aus, wie das Video bewies. Es war ziemlich anstrengend und ich war wirklich kurz davor, aufzuhören, aber als die Nadel ausschlug, war ich so stolz auf mich selber, dass ich unbedingt einen weiter Kurs machen wollte.

Also begann ich einen anderen Kurs, genannt Overcoming Ups and Dows in Life course [deutsch: „Auf und Abs überwinden“]. Beide, der Auf und Ab-Kurs und der Gründe für Unterdrückungs-Kurs lehren die PTS/SP-Technik, so lernte ich im Sommer 2006 in der Toronto Org das Gleiche zweimal. Der wichtige Teil meiner Geschichte ist hier, dass meine Nadel wieder nicht ausschlug, als ich den Kurs beendet hatte. Es war ein Anfänger-Kurs und es kostete mich fünf Stunden, die Checklisten durchzugehen. Ich ging zum attestieren und wieder schlug die Nadel nicht aus.

Nun, die nächsten zwei Woche – ja, ich sagte zwei Wochen – waren für mich die vollkommene und endgültige Hölle in Scientology. Ich kriegte Hardcore-Studienbedingen aufgedrückt, die ich hasste, Word Clearing, dass ich hasste, und ich bekam Ethic Conditions [Ethic, d.h. Ethik in Scientology bedeutet nicht, moralisches Verhalten oder moralphilosophische Reflexion, sondern die Forderung, sich Scientology unterzuordnen, da die „Church“ Recht habe. Ethic Conditions sind Vorhaltungen, dies nicht zu tun und deshalb innerhalb von Scientology nicht weiter zu kommen.], die ich noch weit mehr hasste. Warum log ich laut meinen Ethics-Offizier, der soviel älter als ich war? Ich hatte weder meinem Vater noch meinen zwei besten Freunden erzählt, dass ich Scientologe geworden war. Das war laut ihm der Grund, warum ich PTS war und meine Nadel nicht ausschlug. Ich konnte auch nicht nach Budapest, solange ich PTS war. Erinnert euch, dass ich noch nicht qualifiziert war, in den Staff zu gehen, als ich mit 16 eine Stunde ARS lang besuchte, nichts las und mich wieder austrug [Bis vor kurzem war das Mindesteintrittsalter in die Sea Org 18 Jahre. Dieses soll allerdings laut Insiderberichten 2009 gesenkt worden sein.]. Das war mein Ethics Cycle [Kreislauf in Scientology, jemand solange zu Ethic, zum Lernen und zum Auditing zu schicken, bis er besteht, d.h. die „Ethic“ vollständig annimmt.], mein erster und schlimmster, inklusive des Umstands, dass ich fürs Tanken und Parken nochmal 100 oder 150 [rund 65 oder 95€] Dollar verschwendete, ohne Ergebnisse zu erhalten.

Die „ethischen“ Gründe waren Unsinn, dachte ich, bis ich endlich einwilligte, meinem Vater und meinen zwei besten Freunden zu berichten, dass ich in Scientology war. Wie ernst war das alles? Oh Gott, es war unglaublich wichtig, wenn man den Anweisungen von Hubbard folgte, nichts zu verheimlichen und den Menschen zu erzählen, dass man Scientologe war, selbst wenn man dafür gefeuert würde. Ansonsten war man PTS und wertlos. Das ist eine weitere Form der innerlichen Kontrolle.

Die „Church“ machte eine großen Deal aus praktisch Nichts und letztlich berichtete ich meinem Vater und meinen beiden besten Freunden, dass ich in Scientology war. Einer meiner Freunde verhielt sich etwas ablehnen und sprach für einige Tage nicht mit mir. In dieser Zeit schrieb ich etwas über ihn für den Ethics-Offizier, was dann in einem Auditing gegen mich verwendet wurde, als ich im letzten Frühling die San Francisco Org verließ, aber das ist alles Unsinn, denn wir sind immer noch Freunde.

Letztlich schlug meine Nadel doch aus und ich fühlte mich erlöst. Er war alles wegen diesem Unsinn, das war endlich vorbei und ich konnte mit meinem nächsten Kurs beginnen. Am Ende kam heraus, dass es gar nicht das Problem war, dass ich meinem Vater und meinen Freunden nichts erzählt hatte, sondern dass ich vielmehr einige andere Missverständnisse hatte. Ich erzählte deshalb am Ende meiner „ethischen“ Prüfung meinem Prüfer, dass ich nicht gelogen hätte, aber er hörte mir nicht zu. Zwei Wochen Unsinn später und ich konnte meinen nächsten Kurs beginnen. Zu diesem Zeitpunkt war ich genervt von der Org, sie machte mich krank, insbesondere nach der unnötigen Zeitverschwendung im Ethics Cylce.

So begann ich den Science of Survial extension Kurs [deutsch: „Die Wissenschaft des Überlebens“], auch weil ich im Sommer soviel Geld für Nichts ausgegeben hatte, weil ich ständig in der Org war und ich lieber von zu hause aus einen Kurs machen wollte. Zu dieser Zeit hatte ich einen Job, also arbeitete ich Halbzeit und machte meinen Kurs daheim. Ich ging immer noch manchmal in die Org, aber hauptsächlich für Veranstaltungen, die mich allerdings weiterhin krank machten, mit dem ganzen Verkaufsdruck und gelegentlich, um dort meine Kurse zu machen, wenn ich mit ihnen Probleme hatte. Aber diese Kurse bringen dich in der Pyramide nicht weiter, ich meine auf der Bridge to Total Freedom [„Brücke zur totalen Freiheit“; erklärtes Hauptziel von Scientology ist es, alle Menschen über dieser „Brücke“ zu bringen. Die Brücke ist das hierarchische Wissenssystem in Scientology, deren Stufen aus den OT-Levels bestehen. Die höchste Stufe ist bislang OT VIII, erreicht man diese, soll man die „Totale Freiheit“ erreicht haben. Scientologen sind darauf ausgerichtet, diese „Brücke“ zu „beschreiten“, also immer neue Kurse zu machen, um letztlich OT VIII zu erreichen. Es gibt aber auch Kurse, die nichts mit dieser Brücke zu tun haben.). Insoweit sah meine Zukunft in Scientology düster aus.
 

alexm

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Deutschland Über Alles!, ein alter Nazislogan

Ich fuhr am 13. Mai 2007 los nach Berlin. Das war ungefähr eine Woche, nachdem meine Schwester geheiratet hatte. Egal, ich kam in Berlin über Frankfurt/Main an und wurde am Flughafen von einem süßen Mädchen aus Dresden abgeholt. Sie war später die Personnel Procurement Office [Leiterin der Personalabteilung] in der Org, aber zu dieser Zeit war sie Direktorin des technischen Services. Interessanterweise war sie zu diesem Zeitpunkt dabei, ihre Heirat mit dem Direktor für Routing und Personnel [Planung und Personalmanagement] zu planen, einem wirklich faulen ostdeutschen Jungen, der 21 Jahre alt war. Ich hatte das zweifelhafte Glück, in den ersten zwei Monaten mit den beiden zusammen zu leben, während sie planlos und antriebslos nach einer Wohnung für mich suchten. Ich sage das, weil es letztlich meine Mutter war, die eine Wohnung für mich und meinen Freund fand, als sie im Juli nach Berlin kam und nicht die Org oder die Leute, die sagten, dass sie es tun würden. Dies ist der eine Teil der angeblichen Rekrutierungstätigkeiten von Scientology. Eine andere Notiz, die dieses junge Pärchen aus Dresden betrifft, ist, dass sie sich getrennt haben und diese Mädchen, dass mich am Flughafen abgeholt hat, kurz danach geflohen ist [„Blew her post“. „Blow“ ist eine Aufforderung, die von Kritikern gerne an Scientologen gerichtet wird. Sie bedeutet, einfach seinen Posten zu verlassen, ohne sich auf die „offiziellen“ Wege einzulassen, die zahlreiche Tests und Versuche von Scientology, die Menschen wieder zurück in die Organisation zu holen, beinhalten.] und seit einigen Wochen nicht mehr gesehen wurde. Ich hoffe, dass sie wieder sicher in Dresden ist, dass ihre Familie sich um sie kümmert und selbstverständlich, dass sie den Ausstieg aus Scientology geschafft hat.

Der erste Eindruck, den ich von der Org mit ihrem 43,000 Square Foot [rund 13,000 m²] Gebäude hatte, war fantastisch. Ich sah die Menschen wieder, die ich schon in der alten Berlin Org getroffen hatte. Viele Menschen waren überrascht, mich wiederzutreffen, nachdem sie mich im Sommer 2006 hatten nach Kanada zurückgehen sehen. Es erfreulich, die alten Gesichter und viele, viele neue zu sehen.

Die ersten Wochen waren interessant, aber hart. Ich lebte 20 Minuten mit der U-Bahn entfernt von der Org, in Tiergarten in der Birkenstrasse und ich musste immer auf meine Mitbewohner warten, um die Org zu verlassen, da ich keinen eigenen Schlüssel hatte. Manchmal wartete ich bis nach Mitternacht oder ein Uhr nachts. Zu diesem Zeitpunkt war ich vollgepumpt mit Enthusiasmus und Entschlossenheit, ich kriegte wenig Schlaf, vier bis sechs Stunden im Durchschnitt. Ich kaufte keine Monatskarte, weil ich die ganze Zeit die Hoffnung hatte, demnächst eine Wohnung zu bekommen. Zwei Monate und einige hundert verschwendete Euro später weiß ich es jetzt besser.

Während ich mich in die Routinen eingewöhnte, hatte ich zahlreiche abweichende Meinungen über das, was getan wurde. So ging ich davon aus, dass Berlin – wie die meisten anderen Orgs, in denen ich gewesen war – innerhalb eine weitere Basis-Organisation für die täglichen Aufgaben hätte, aber das war nicht der Fall. Vielmehr gab es zu meinem Ärger nur ein Gesamtorganisation. Das bedeutet, dass es fünf Schichten und nicht zwei gibt. Diese sind: Doppelt-Vollzeit (90 Stunden in der Woche), Vollzeit (60-70 Stunden pro Woche), Tagesschicht (Montag-Freitag, neun bis sechs, 45 Stunden pro Woche, inklusive 12,5 Stunden für das Studium), Basisschicht (Montag-Freitag, abends von sieben bis elf und Samstags/Sonntags von neun bis sechs, 45 Stunden in der Woche, inklusive 12,5 Stunden Studium), Teilzeit (20 Stunden pro Woche, inklusive 12,5 Stunden Studium). Nun, ich musste irgendwie Geld machen, da ich kein anderes Einkommen hatte. Ich wollte eigentlich nur am Tag arbeiten, aber mir wurde erzählt, dass der durchschnittliche Wochenverdienst nur 10€ bis 20€ wäre, ich aber, wenn ich Doppelt-Vollzeit arbeiten würde, das Doppelte verdienen würde. So entschied ich mich, so viel zu arbeiten, einfach um mehr zu verdienen und endete trotzdem bei 10€ bis 20€. Das Versprechen, dass mir gegeben wurde, war, dass wir „so nah dran“ wären, so groß wie Saint Hill zu sein; es würde nur noch zwei Monate dauern, wurde mir erzählt. Ganz sicher würden wir Ende Juli die Größe von Saint Hill haben. Versprochen wurde, dass wir dann die Org aufteilen würden und bis zu 2.000€ pro Woche verdienen könnten. Das sollte klarmachen, dass die „Church of Scientology“ keine Religion ist, sondern ein profitorientiertes Unternehmen und zudem ein einziger Betrug. Ein so großer Betrug, dass ich glaubte, ich könnte zwei Monate lang 90 Stunden in der Woche für sehr wenig Lohn arbeiten, bis wir endlich so groß wie Saint Hill wären und ich dann genug Geld verdienen würde, um davon gut leben zu können.

Heute, im Januar 2009, hat die Berliner Org immer noch nicht die Größe von Saint Hill. Jede Deadline, die wir uns setzen, meistens noch zwei oder drei Monate nach dem Juli 2007, ging vorbei und das war es damit. Mein Freund und früherer Mitbewohner erzählte mir, dass zu Hubbards Geburtstags im März 2009 verkündet würde, dass Berlin so groß sei, wie Saint Hill. [13. März, höchster Feiertag für Scientology.] Das hat den Grund, weil sie zum zweiten Mal hintereinander das Geburtstagsspiel gewinnen werden, aber auch nur, weil die lokalen Verantwortlichen die Statistiken fälschen und unethisch beeinflussen. Dafür habe ich viele Beispiele, die ich später noch aufzählen werde.
 

alexm

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Der Kampf um Berlin: Ich gegen das Department of Special Affairs

Fünf Tage, nachdem ich angekommen war, traf ich mich mit dem „Legal Officer“ [Beauftragte der Rechtsabteilung], einer sehr trübseligen, nervösen Frau namens Ingeborg Michaelis. Wir gingen zum lokalen Rathaus, fünf Blocks von der Org entfernt, um mich als Arbeitnehmer anzumelden. Alle potentiellen Arbeitnehmern müssen dies in Deutschland aufgrund von arbeitsmarktrechtlichen Regelungen tun. Also meldeten wir mich an, das ging glatt. Mir wurde erzählt, dass ich dabei unterstützt würde, ein Arbeitsvisum zu erhalten, dass das Department of Special Affairs [DSA, in Scientology sowohl die Rechtsabteilung als auch der Quasi-Geheimdienst] helfen würde und das Ingeborg im deutschen Migrationsrecht bewandert wäre. Ja, genau! Das ist das Lächerliste, was je erzählt wurde. Ich habe Ingeborg über 30 Mal, bei 30 unterschiedlichen und dokumentierten Anlässen, um Hilfe gebeten. Alles, was sie je tat, war hmm, hmm zu machen und wegzurennen wie ein kleines Kind.

Ein Kanadier hat nur drei Monate, die er in Deutschland ohne Visum bleiben darf, dann muss er ausreisen. Diese Zeit ging vorbei und im August war ich richtiggehend verängstigt. Die DSA ignorierte mich vollständig und selbstverständlich waren meine Kollegen der Meinung, dass dies alles mein Fehler wäre. Auch die Leute vom HCO [Hubbard Communication Center, die Öffentlichkeitsabteilung] taten nichts. Vielleicht waren meine TR's [Training Routines] eingerostet, vielleicht habe ich nicht oft genug nachgefragt. Nachdem ich mich beim Geistlichen [Seitdem Scientology öffentlich versucht, als Religion aufzutreten, gibt es auch Geistliche. Allerdings wird davon berichtet, dass diese hauptsächlich für die Öffentlichkeit da wären, die dokumentierten religiösen Zeremonien für diese Öffentlichkeit inszeniert wurden und im Alltag von Scientology keine Rolle spielten] und der Dir I und R (= Ethikabteilung) beschwert hatte, wies die DSA meiner Abteilung jemand zu, der Deutscher war und Englisch sprach, um mir zu helfen, nachdem sie selber offenbar zu beschäftigt waren, um mir zu helfen. Das war eine Woche vor der Deadline im August. Danke A***löcher!

Zusammen mit diesem Typen sammelte ich unterschiedliche persönliche Unterlagen zusammen und rannten in die Ausländerbehörde. Ich lernte dort selber einige Sachen, über die die DSA auf magische Weise keine Ahnung zu haben scheint. Beispielsweise die Legal Officer Ingeborg, die so qualifiziert und im deutschen Migrationsrecht so bewandert ist, aber nicht wusste, dass ich verpflichtet war, 20 Stunden pro Woche Deutschkurse zu besuchen und für die Auslandskrankenversicherung 60€ pro Monat zu zahlen. Ich glaube, sie muss geschlafen haben, als Hubbard deutschen Ausländerrecht „unterrichtet“ … was er nie tat. So viele Unklarheiten. Aber was war jetzt zu tun? Ich versuchte, den Staff zu verlassen, aber das wurde mir sowohl vom Geistlichen als auch von HCO Gebietsbeauftragten untersagt, die als Einzige dazu berechtigt wären. Lest den folgenden Ausschnitt aus der FAQ der „Church“, geschrieben von Rev. Heber Jentzsch [offiziell Präsident der „Church of Scientology International“, heute laut mehreren Berichten Insasse eines Scientology-eigenen Gefängnisses für ranghohe Scientologen, der sogenannten SP Hall, deren Existenz allerdings von Scientology nicht bestätigt wird.]:

Frage: Kann ein Scientologe kommen und gehen, wie er es wünscht?

Antwort: Selbstverständlich. Ein Scientology ist frei, am Kirchenleben so aktiv teilzuhaben, wie er es wünscht. Nicht-praktizierende Scientologen können späterhin wieder aktiv werden, wenn sie das wünschen. Falls irgendwer entscheidet, nicht mehr Mitglied der Kirche sein zu wollen, steht es ihm frei, zu gehen. Gemeindemitglieder können nach ihren Wünschen die Kirche besuchen oder an ihr partizipieren.

Dies ist sowohl traurig als auch lächerlich, natürlich ist einem nicht erlaubt ohne Belästigungen die „Church“ zu verlassen, teilweise werden solche Anfragen auch einfach abgelehnt. Ich wurde nach meinen Antrag einem Sec Check [Wiederholung-Auditing, angeblich durchgeführt, um zu überprüfen, ob jemand Geheimnisse aus der Organisation stehlen oder ihr irgendwie anders schädigen will.] und schlechteren Arbeits-Bedingungen unterworfen. Dies ist nicht vereinbar mit der Vorschrift des „Leaving ans Leaves“ [einer von Hubbard verfassten Vorschrift über den „richtigen“ Austritt aus Scientology]. Aber Vorschriften gelten eh nicht, Vorschriften sind in Scientology Toilettenpapier. Du kriegst vielleicht auch eines mit ihnen über, weil sie einfach nichts bedeuten.

Nachdem ich einen weiteren Monat gekämpft hatte, schrieb ich mich für Deutschkurse ein, die ich aber nicht weiter besuchte, weil sie 200€ pro Monat kosteten, mein monatliches Einkommen zwischen 80€ und 180€ lag und meine Miete 250€ betrug. Ihr könnt das leicht Nachrechnen, es funktionierte einfach nicht.

Im September erhielt ich eine Aufenthaltsgenehmigung, die besagte, dass ich nicht ohne Erlaubnis staatlicher Stellen arbeiten dürfte und das diese Genehmigung nur erteilt würde, wenn ich nachweisen würde, dass weder eine Deutscher noch ein EU-Bürger den betreffenden Job haben wollte.

Am 11. Februar 2008, den glücklichsten Tag meines Lebens, verließ ich Deutschland. Ich werde später noch über diese Vorgänge, einen Trip nach København und über andere verrückte Dinge berichten. Zudem war ich nicht und wäre auch heute nicht der einzige Illegale im Staff, rund 20% der Angestellten der „Church“ arbeiten ohne Genehmigung oder mit einem deutschen Arbeitsvisum.

Ich war in der Situation, dass ich illegal für die Berliner Org arbeitete. Das Department of Special Affairs oder DSA, das unter anderem die Aufgabe hat, für Ausländer in Staff die nötigen Visa zu besorgen, hätte mir helfen können, eine richtige Arbeitserlaubnis zu erlangen oder sie hätten es zumindest versuchen können. Aber weil die Leute vom DSA nichts kommunizierten und auch niemand realistisch mit meiner Situation konfrontierten, wurde ich schließlich abgeschoben.
 

alexm

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Arbeit Macht Frei

Dieser Spruch stand über dem KZ Auschwitz.
Mein Urgroßvater, der aus Ungarn kam, starb dort 1944.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mindestens 92-Wochenstunden gearbeitet. Der Tagesplan sah ungefähr so aus:

8:30 – Aufwachen, Zähne putzen, Duschen, fertig machen
9:00 – In der Org ankommen, Frühstück, wenn du Geld hast.
9:15 – Morgenappell oder Propaganda-Meeting. Applaus für LRH! Hip Hip, Hurra!
9:30 – Auf den Posten oder Studieren.
12:00 – Mittag, wenn du Geld hast.
12:45 – Nachmittagsappell oder Propaganda-Meeting. Applaus für LRH! Hip Hip, Hurra!
13:00 – Auf den Posten oder Studieren.
15:30 – Nachmittagspause.
15:45 – Auf den Posten oder Studieren.
18:00 – Abendbrot, das 2,00€ pro Tag kostete und von der Org organisiert wurde. Normalerweise war dies mein einziges Essen am Tag.
18:45 - Abendappell oder Propaganda-Meeting. Applaus für LRH! Hip Hip, Hurra!
19:00 – Auf den Posten oder Studieren.
22:00 – Den Arbeitsplatz säubern oder mehr Arbeit.
23:00 – Ende des Arbeitstages, wenn du Glück hattest.

Mein persönlicher Wochenplan sah wie folgt aus:

Sonntag – 9:00 bis 22:00.
Montag – 9:00 bis 22:00.
Dienstag – 9:00 bis 22:00.
Mittwoch – 9:00 bis 22:00.
Donnerstag – 9:00 bis 22:00.
Freitag – 12:00 bis 22:00.
Samstag – 12:00 bis 22:00.

Das sind insgesamt 75 Stunden auf den Posten oder beim Studieren und 92 Stunden in der Org, sieben Tage in der Woche.

Der Mindestlohn bestägt in Berlin 7,00€ pro Stunde. [Anmerkung des Übersetzers: Das ist eine Fehlinformation. Der Mindestlohn in Deutschland beträgt für einige ausgewählte Berufsfelder, die im „Mindestlohngesetz“ aufgenommen sind, zwischen 6,58€ und 12,58€ die Stunde. Für andere Branchen gibt es keine gesetztlichen Mindestlohn, aber den Straftatbestand des Unsittlichkeit, der bei zu geringen Löhnen eingeklagt werden kann. Jede andere Regelung ist aktuell Diskussionsgegenstand in politischer Auseinandersetzung, insbesondere durch die Gewerkschaften gepusht, die aber auch 7,50€ pro Stunde und perspektivisch noch mehr fordern.] Gäbe es eine Gerechtigkeit in der Welt von Scientology, hätte mein durchschnittlicher Wochenverdienst mindestens 525.00€ betragen und dies wären bei den 40 Wochen, die ich dort arbeitete, 21.000€. Diese Zahl beinhaltet nicht die Überstunden.

Ich kriegte irgendwas zwischen 11.00€ und 86.00€ in der Woche, solange ich im Staff war und nicht mehr als einmal 184.00€ für einen ganzen Monat, im Durchschnitt waren es wöchentlich 25.00€. Wenn ihr glaubt, dass ist schlecht, dann müsst ihr wissen, das bis zum Frühling 2009 viele Staff-Mitglieder Zweieinhalb- und viele sogar Fünfjahresverträge hatten. Wenn man meinen Stundenlohn ausrechnet, kommt man auf durchschnittlich 0,33 Eurocent. Das sind drei Cent mehr, als die chinesischen Arbeitssklaven verdienen.

Dies ist das Kernstück der „Church“ und es ist unzweifelhaft böse angesichts von DM [David Miscavige, Chef des Religious Technology Center, dass die Rechte an Hubbards Schriften hält und das eigentliche Oberhaupt von Scientology], der in den 90ern jährlich alleine 60,000-100,000€ an Einkommenssteuerrückzahlungen erhielt.
 

alexm

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Der Anfang vom Ende – im Kopenhagener Stil

Eine Nebenbemerkung: dies ist aus mehreren Gründen eine meiner liebsten Geschichten. Ich kann deren Bedeutung nicht genügend unterstreichen. Bitte, lest sie aufmerksam und versteht, was ich für die Org getan habe. Bedenkt, dass ich keine kriminelle Geschichte habe und niemals das Gesetz brach, bis ich als Scientologe für die Berliner Org arbeitete. Behaltet das bitte im Hinterkopf, weil ich es nicht genügend unterstreichen kann.
An diesem Punkt der Geschichte habe ich also nach dem oben genannten Tagesplan für sieben Tage in der Woche gearbeitet, und zwar Tag für Tag, mit zwei kurzen Ferien von insgesamt zehn Tagen. Es ist nun der frühe Dezember 2007. Ich erinnere mich, dass es ein Dienstag Abend war, als mir ein Kollege erzählte, das der FCS oder Field Control Secretary, die Person, welche die Verantwortung für die Division 6C, Field Control inne hat, welche hauptsächlich mit den Scientology Frontgruppen und anderen Pseudo-Gruppen, wie A.B.L.E. oder Association for Better Living and Education [deutsch: „Vereinigung für besseres Leben und Erziehung“] (die auch Criminon [Scientology-Programm für Gefängnisinsassen], Narconon [Scientology-Programm in der Drogenhilfe], Applied Scholastics [deutsch: „Professionelles Lernen“, Scientology-Programm in der Schülerhilfe] und The Way to Happiness Foundation kontrolliert) zu tun hat, mich suchen würde. 6C organisiert außerdem W.I.S.E. [World Institute of Scientology Enterprises, Scientology-Unternehmensberatung, die dafür bekannt ist, Angestellte von Firmen, die sie beraten, zu Scientology-Kursen zu verpflichten], Missionen, Ehrenamtliche, FSMs [Field Staff Member, einzelne Mitglieder, die außerhalb einer Org aktiv sind] und weitere Programme.

Ich traf sie endlich, nachdem ich sie eine gute Zeit lang in der Org gesucht hatte und sie teilte mir mit, dass sie für mich eine Aufgabe hätte. Ich fühlte mich dabei gut, weil es Geld beinhaltete, was praktisch, bling-bling, alles in der „Church“ gilt.

Sie meinte, dass jemand aus der Org nach København fahren müsse, wo sich das EU-Hauptquartier befindet. Praktisch befinden sich CLO EU (Continental Liaison Office Europe [Kontinentales Verbindungsbüro], das ist das Management) und AOSH EU (Advanced Org/Saint Hill Europe, wo man die Stufen Clear bis Neuer OT V absolviert und man für als Klasse VI, VII und VIII-Auditor lernen kann) in København, Dänemark, rund acht bis neun Stunden Busfahrt von Berlin entfernt. Meine Aufgabe war ernsthaft eine Papiertüte mit Geld, dass von Mitgliedern in der Zeit zwischen dem Maiden Voyage Feierlichkeiten [06. Juni, jährlicher Festakt, bei denen die Verkündung der Neuen OT VIII-Stufe gefeiert wird], Oktober beim IAS-Geburstag [07. Oktober] bis in den Dezember hinein, an die IAS (International Association of Scientologists) gespendet worden war, zu transportieren. Ich war begeistert. Nicht nur, dass ich dafür verantwortlich war, dass Geld zum IAS Admin I/C EU (verantwortliche IAS-Administration für die EU, praktisch eine Person) zu bringen, sondern auch, dass sie dafür mich aussuchten. Aber der Hauptgrund, warum ich begeistert war, war, dass ich zumindest für einen Tag aus Berlin herauskam. Das erscheint vielleicht nicht als viel, aber es war großartig.

Also nahm ich die Tüte und ging los zur Busstation. Leider gibt es keine Nachtbus (nach København). Verdammt! Also musste ich auf den nächsten Bus um 6:30 Uhr am nächsten Morgen warten. Okay, die Org hatte mir Geld für Essen und das Busticket gegeben, also was ging es mich an? Der Bus fährt 6:30 Uhr los, kommt in København am 14:30 Uhr an und das Geld muss gegen 16:00 Uhr abgegeben werden. Erinnert euch, dass ich jetzt mit Sea Org Mitgliedern zu tun hatte.

Ich rannte an diesem Tag gegen Mitternacht nach Hause, weil der letzte Bus gegen 23:00 Uhr gefahren war. Zu diesem Zeitpunkt war ich voller Energie und bereit, loszulegen. Damals wohnten mit mir zwei Sea Org Mitglieder, einer mit französischer Nationalität, der ursprünglich aus Reunion kam und ein zweiter aus der Tschechischen Republik. Beide waren nette Menschen, dennoch war ich so überaus energiegeladen, dass ich in dieser Nacht kaum zwei Stunden Schlaf bekam, einzige wegen dem Gedanken, aus Berlin raus zu kommen. Ich schlief von 3:30 Uhr bis 5:30 Uhr und als mein Wecker losging, sprang ich auf, macht mich fertig und rannte buchstäblich aus der Wohnung. Ich erreichte pünktlich die Bushaltestelle und kriegte den Bus. Das ich zwei Stunden Schlaf hatte, ist etwas, was man sich für später merken sollte, okay?

Jetzt bin ich also im Bus und kann nicht weiter schlafen, weil ich so aufgeregt bin. Die Busfahrt ist dort sehr schön und malerisch. Wir fuhren von Berlin aus nach Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, in Norddeutschland. Das ist eine schöne Stadt. [Anmerkung des Übersetzers: Rostock? Schön? Das liegt wirklich im Auge des Betrachters.] Dann wurde der Bus auf einen große Fähre geladen und wir reisten weiter zum Südteil der Insel, auf der København liegt [Anmerkung: die Insel Sjælland].

Das Essen an Bord war teuer, aber das interessierte mich nicht wirklich, weil die Org mir genügend Geld mitgegeben hatte. Es war mein erstes vollwertiges Essen seit Wochen. Pommes, ein Sandwich und ein Drink für 20.00€ – aber wie gesagt, wenn interessiert's? Es war nicht mein Geld.

Ich kam spät in København an, so gegen 15:00 Uhr und hatte noch eine Stunde, um das Geld zu überbringen. Ich weiß, dass ihr euch alle fragt, wie viel Geld das war. Nach der Fahrt mit der Fähre nahm ich die Papiertüte aus meinem Rucksack. Um das anzumerken: eine Grenze mit einen Haufen Geld zu überqueren ist illegal, solange es nicht angemeldet und Steuern dafür bezahlt werden. Mir wurde gesagt, dass die deutschen und dänischen Zöllner nicht in meiner Sachen schauen würden, weil ich Kanadier war. Und sie hatten Recht. Also arbeitete ich nicht nur illegal für die Berliner Org, sondern ich schmuggelte auch noch unangemeldetes Geld über eine internationale Grenze... und zwar für die ethischste Organisation der Welt [„the most ethical group on the planet“ – Eigenbezeichung von Scientology). Was für ein erbärmlicher Witz.

Also, ich öffnete die Papiertüte und hörte auf zu zählen, als ich bei 5.000€ angekommen war. Und da war noch viel mehr Geld in der Tüte, vielleicht bis zu 10.000€ oder sogar mehr, die ich gerade nach Dänemark eingeschmuggelt hatte. Ich wünschte, dass das ein Witz wäre, aber es war keiner.

Nach alldem ging ich pünktlich zum AOSH EU und lieferte das illegale Geld ab. Anschließend wurde ich beauftragt, den Nachtbus zurück nach Berlin zu nehmen, der von 19:00 Uhr bis 4:00 Uhr Morgens fährt. Mit nur zwei Stunden Schlaf kam ich am nächsten Tag um 5:30 Uhr in meiner Wohnung an und ging ins Bett.

Außerdem aß ich in København zwei weiter herrliche Mahlzeiten und behielt die letzten 10.00€ für mich.
 

alexm

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Nachwirkungen: København – Meinen Posten verlassen

Ich ging, wie gesagt, gegen fünf Uhr morgens Schlafen. Ich schlief wie ein Baby bis ein Uhr Nachmittags, als mein Telefon klingelte und mich aufweckte. Es war die Org. Am anderen Ende waren mein Kollege, der Englisch sprach, ein HCO-Mitglied und meine gehirntote und emotionale Vorgesetzte. Alle drei schrien mich an, dass ich zu spät sei. Ich fragte, wovon zur Hölle sie eigentlich sprachen? Ich hätte eine Tag frei und dafür einen CSW-Antrag gestellt (Completed Staff Work, ein Antrag, der sehr rigide Formelarien folgt und den man stellt, wenn man eine Auszeit nehmen will oder etwas benötigt. Der Antrag wird dann von deinem Chef, dessen Chef und dem HCO genehmigt). Mein Pech war, dass meine Chefin ihr okay gegeben hatte, dann aber mein CSW vom HCO abgelehnt wurde, weil offenbar zwischen dem Ankommen in Berlin um fünf und dem Morgenappell um 9:15 Uhr genügend Zeit zum Schlafen war und deshalb der Tag Urlaub nicht akzeptiert werden konnte. Ich wusste überhaupt nichts von der Ablehnung. Der nächste Tag war Samstag und normalerweise nahm ich mir Samstagmorgens frei. Mir wurde gesagt, dass mein Handeln unethisch sei und ich sofort zur Org kommen solle, um mich dort beim HCO für mein Zuspätkommen zu rechtfertigen.

Nun, ich kehrte für drei Tage nicht auf meinen Posten zurück. Vielmehr wurde ich zuhause besucht, fünf mal von unterschiedlichen HCO-Beauftragten, die sich praktisch selber im Stil eines KGB-Überfalls einluden – nur emotional noch schädlicher. Ich hing hinter meinen Aufgaben zurück und ich alleine war dafür „verantwortlich“, niemand anders. Falls das nicht bekannt ist: wer drei Tage nicht auf seinem Posten erscheint, gilt als „blown“, insoweit hatte ich nach diesen drei Tagen meine Posten verlassen.

Ich ging nach vier Tagen zurück und mir wurde aufgetragen, die Klos im HCO zu putzen, so dass die faulen Säcke diesen Scheißjob in dieser Woche nicht selber machen mussten. Allerdings arbeitete ich schlecht, deshalb musste der HCO-Typ, der mich beauftragt hatte, das ganze anschließend nochmal machen. Geschieht ihm Recht!

Schließlich, nach einer langen Serie Ethics [Kurs, der hauptsächlich darin besteht, das Glaubensbekenntnis „Keeping Scientology Working“ immer wieder zu lesen und sich selbst zu bezichtigen. Wird als Zwangsmaßnahme und Bestrafung eingesetzt.] und Sec Checks war ich wieder zurück auf dem richtigen Weg, wiederholte und glaubte blind, dass es für die Gruppe kontra-produktiv sei, wenn man freie Tage nimmt. Hey, hey, hey – aber es ging mir am Arsch vorbei. Weihnachten war drei Wochen entfernt und die Situation wurde immer schlimmer.
 

alexm

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Das Weihnachten, dass niemals stattfand

Weihnachten kam auch zur Berliner Org. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr einsam und betrübt. Ich arbeitete weiterhin Überstunden und hatte nur meinen Mitbewohner, der gleichzeitig mein bester Freund war, mit dem ich rumhing und reden konnte. Wenn irgendjemand gehört hätte, worüber wir sprachen, wenn wir allein waren, wären wir dafür zu noch mehr Ethics verurteilt worden. Wir redeten praktisch über alles, über das wir nicht reden durften.

Ständig erinnerte ich mich an meine Familie zu hause. Um die Sache noch schlimmer zu machen, redete meine Mutter von einem großen Truthahn, den sie für Weihnachten braten würde, mit Füllung, Mais, Kartoffelpüree, Bratensoße, Preisselbeersoße, Roast Beef, weiteren Soßen und Apfelkuchen. Ich konnte ihr nichts sagen, aber jedes Mal, wenn wir über Essen redeten, begann mein Magen zu grummeln und ich begann zu weinen.

Zu diesem Zeitpunkt aß ich einmal am Tag, wenn ich Glück hatte. Die Bezahlung war so schlecht, dass ich mich noch an eine Woche nach dem „international Book-A-Thon“ [Werbeveranstaltung von Scientology für ihre Bücher, nicht mit anderen Book-A-Thon's zu verwechseln] erinnere, in der ich frierend draußen stand und von zehn Uhr Morgens bis ein Uhr am nächsten Morgen versuchte, Bücher zu verkaufen und mein Lohn auf 11€ berechnet wurde. Ich verlor mich selbst, flippte aus, schrie herum, aber es interessierte niemand. Um die Dinge noch Schlimmer zu machen, betrug mein Weihnachtsbonus inklusive normalen Lohn, 86,00€. An solch einen wöchentlichen Lohn war ich die gesamten neun Monate gebunden, in denen ich in Berlin arbeitete. Ich war damals so was von hungrig, erschöpft, verängstigt und allein. Dies war mein erstes Weihnachten ohne meine Familie und ich würde niemals Scientology oder die Berliner Org als meine Familie ansehen.

Selbstverständlich: weil Scientology Familien zusammenbringt und nicht etwas Disconnection [Methode, die in Scientology – und anderen Sekten – angewandt wird, um Menschen sozial an die Organisation zu binden: sie werden dazu gebracht, sich aktiv von den Familienmitgliedern und Freunden loszusagen, welche die Arbeit der Organisation kritisieren oder kritisieren könnten. Dies führt zu sozialer Vereinsamung und dazu, dass soziale Kontakte eines Mitglieds mit der Zeit nur noch aus anderen Mitgliedern der Organisation bestehen] praktiziert, verbringen die meisten Scientologen die Weihnachtszeit nicht mit ihrer Familie, weil sie andere Sachen zu tun haben. Ja, richtig! Weil Scientology so unglaublich religiös ist, hatten wir eine Bier-und-Käse-Party, bei der ich während meines Nachtdienstes die gesamte Nacht verbrachte, wo ich drei Glas Löwenbräu trank und Käse aß, bis es mir aus den Ohren raus kam. Obwohl ich Lactose-intolerant bin, aß ich Käse, weil: wenn du hunrig bist, isst du halt. Dann, am Weihnachtsabend und dem ersten Weihnachtsfeiertag hatten wir zwei blöde Fondue-Partys, die schrecklich waren.

Vor dieser Zeit hatte ich versucht, HCO dazu zu bringen, mich in eine andere Org zu versetzen, am liebsten nach San Francisco, wo ich später zehn Wochen war, um dann wieder rausgeschmissen zu werden. Ich wurde von der HAS oder HCO Area Secretary betreut, der Person, die für das HCO zuständig ist und gleichzeitig die Frau war, die mich überhaupt rekrutiert hatte. Ich erinnere mich, dass sie mein Weihnachten noch schrecklicher machte, indem sie in die Cafeteria kam und mich vor dem weniger Personal anschrie, weil ich überhaupt versetzt werden wollte. Eine Org zu verlassen ist etwas, was du niemals mit dem anderen Staff besprichst, aber sie schrie so laut, dass die anderen es hören konnten. Das machte die gesamten Feiertage für mich unerträglich. Und, als ob das nicht genug war, wurde mir auch noch untersagt, auch nur einen Tag frei zu nehmen, weil meine Abteilung jetzt mit zwei Menschen unterbesetzt sei. Die zweite davon war meine gehirntote, emotionale Anleiterin, welche als Mutter selbstverständlich Zeit für ihre Familie bekam. Ich als Single bekam hingegen nur den 26. Dezember und den 01. Januar frei.
Ich arbeitete am 24. und 25. Dezember jeweils 14 Stunden und ich fand es unerträglich. Es machte mich krank. Ich schloss die Tür meines Büros und schlief. Das war mein Protest. Niemand störte mich dabei.
 

alexm

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Tom Cruise besucht Berlin

Ich habe tatsächlich eine Geschichte über den umstrittenen Besuch von Tom Cruise in Berlin im Sommer 2007, die ich gerne teilen würde. Tom Cruise kam nach Berlin, um den Film „Valkyrie“ zu drehen und bekam einige Presse, als die deutsche Regierung ihm verweigerte, in mehreren staatlichen Gebäuden zu drehen.

Mein Geschichte beginnt in dieser Zeit, im Sommer 2007, als er mit seiner Frau Katie Holmes Berlin besuchte. Als Staff-Mitglieder waren wir immer alarmiert davon, dass Tom Cruise unter Umständen vorbei kommen würde, um die Org zu besuchen, aber wir wussten niemals, wann das sein würde. Dies war dasselbe mit David Miscaviage oder anderen Leuten von Internationalen Management.

Eines Tages, nach dem Morgenappell, wurden wir davon unterrichtet, dass Tom Cruise uns am nächsten Tag besuchen würde und dass es unsere Aufgabe wäre, die Org schmuck und sauber zu machen; so wie es L. Ron Hubbard gewollt hätte. Wir sollten Tom Cruise als Belohnung für all die Arbeit, die wir geleistet hatten, treffen dürfen.

Nachdem meine gesamte Abteilung, inklusive mir, aus drei Personen bestand – meine Vorgesetzte, die kaum jemals auftauchte und einer weiteren Person –, wurde also ich dafür verantwortlich gemacht, eine gesamtes Büro, ein Treppenhaus und mehrere andere Flächen zu putzen. Die Berliner Org ist acht Stockwerke hoch und die Angestellten verbrachten zwei Tage damit, sie sauber zu machen. Ich war selbstverständlich einer von denen, die sich den Arsch aufrissen, in der Hoffnung, Tom Cruise treffen zu können. Immerhin war das die Anerkennung unserer Arbeit.

Alles schien während dieser zwei Tage glatt zu gehen. Wir erhielten an unserem zweiten Tag zermürbenden Saubermachens und Aufräumens, die Nachricht, dass Tom Cruise vorbeikommen würde, wir wussten bloß nicht sicher, wann. Alle waren sehr, sehr aufgeregt, denn nach zwei Tagen Putzen nur für ihn, würden wir ihn endlich treffen können. Er war ein Mensch, den wir nicht nur als Scientologe respektierten, sondern auch als Filmstar und als Mensch.

Hingegen wurden uns allen am zweiten Tag gegen zehn Uhr abends gesagt, dass wir sofort die Org verlassen und heimgehen sollten. Die einzigen, die in der Org verblieben, war die Executive Director [Leiterin] und sechs Sea Org Mitglieder, drei von unserer Organisation, die hauptsächlich in der Berliner Org arbeiteten und drei andere von einer Organisation namens Commodores Messenger Org International [einer Eliteabteilung in der Sea Org, die direkt für das internationale Management arbeitet]. Niemand vom Staff, welches ganze zwei Tage lang geputzt hatte, traf Tom Cruise, wie es uns eigentlich versprochen wurde. Sogar die Crew der Nachtwache musste im Keller warten, während Tom Cruise seine Tour kriegte und hatte nicht die Erlaubnis, diesen Keller zu verlassen. Erst als Tom Cruise gegangen war, durfte die Nachtschicht an die Rezeption gehen und ihren Job tun.

Am nächsten Tag war die Mitglieder des Staffs allesamt ziemlich angepisst. Stellt euch vor, zwei Tage lang durchzuputzen. Zwei Tage lang seinen Job nicht tun und keine Kurse besuchen, weil du große Teile eines achtstöckigen Gebäudes putzt, saugst, wäschst, reinigst und aufräumst und deine Kollegen dabei unterstützt, das Gleiche zu tun. Unnötig zu sagen, dass unsere Leute über unsere Leitung verärgert waren, weil nur der Topelite und nicht den normalen Leuten erlaubt wurde, Tom Cruise zu treffen. Um es mindestens so zu sagen: die Atmosphäre in der Berliner Org wurde sehr hässlich und egal, was die PR darüber sagte, nachdem Berlin des Geburtstagsspiel [siehe weiter unten] gewonnen hatte: die Atmosphäre war sehr schlecht. Meiner Einschätzung nach hatte sie sich bis zum Februar 2008, als in Berlin verließ, nicht vollständig erholt.

Ungefähr einen Monat später wurde unser Zustand immer schlechter und schlechter. Das bedeutet, neben anderen Sachen, dass wir nicht wirklich viel Geld machten oder viele neue Leute anwarben. Mich überrascht immer noch, wie die Berliner Org das internationale Geburtstagsspiel gewonnen hat, obwohl sie sich ständig im Notfallzustand befindet und teilweise auch einfach nicht wirklich existiert. Weiter unten werde ich beschreiben, wie die Org gewonnen hat – durch Betrug. Aber in den neun Monaten im Staff kam die Org niemals aus ihrem Notfallzustand heraus und dennoch gewannen wir quasi jede Woche das Geburtstagsspiel. Es war wirklich seltsam, um es zumindest so auszudrücken.

In dieser speziellen Woche rutschten wir in den Alarmzustand, was noch niedriger ist als Notfall. Teil der Praktiken im Alarmzustand ist, dass Staff-Mitglieder beim nächsten Appell aufstehen und frei über ihre Bedenken oder Beschwerden sprechen sollen. Sonst zumeist ruhig, weil sie Angst haben, in Schwierigkeiten zu geraten, sprachen jetzt viele darüber, wie sehr sie von durch die geringe Bezahlung desillusioniert waren, insbesondere in einer Ideal Org, in deren Vorschriften diese niedrige Bezahlung eigentlich nicht vorkommt. Diese Frage wurde in den Raum gestellt, aber nicht wirklich beantwortet, sondern uns wurde vorgeworfen, dass dies unsere eigene Schuld sei, da alle Mitarbeiter für das Einkommen der Org verantwortlich wäre.n Ein anderer mutiger Mann, der jetzt nicht mehr zum Staff gehört, erwähnt Tom Cruise, weil er – wie wir alle – erwartet hatte, ihn nach zwei Tagen Putzen zu treffen, wir aber stattdessen ohne jede Erklärung aus der Org hinausgeworfen wurden.

Ich persönlich war nicht überrascht und gab meine Hoffnung nicht auf, Tom Criuse doch noch zu treffen, zumal ich die beunruhigende Sicherheitsobsession in der Org kannte und mir vorstellen konnte, dass eine Treffen mit allen 100 oder so Mitarbeitern unter diesen Umständen nicht möglich gewesen wäre. Aber, es war uns versprochen worden und dieser Mann hatte auch gute Argumente dafür, dass anzusprechen.

Schließlich bekamen wir eine schnelle PR-Antwort von einem der Sea Org-Mitglieder, die Tom Cruise getroffen hatten und alles, was er sagte, war, das sie nicht gewusst hätten, wann Tom Cruise vorbeikommen würde und das war es. Das war keine richtige Antwort und anschließend gaben wir uns etwas weniger Mühe, wenn jemand Spezielles in die Org kam, als für Tom Cruise und für einige Wochen wurden ganze Teile des Gebäudes dreckig und unsauber gelassen, von den gleichen Mitarbeitern, die zwei Tage lang geputzt hatten , weil ihnen vorgelogen wurde, sie würden Tom Cruise treffen. Dieses Gefühl, benutzt, verraten und unehrlich behandelt worden zu sein, ist unter Staff-Mitgliedern oder in Scientology nicht ungewöhnlich. Dies müsste verändert werden oder Scientology wird eine kleine „Religion“ mit wenigen Mitgliedern bleiben.

Zu Tom Cruises Verteidung sei gesagt, dass er und Katie Holmes, oder höchstwahrscheinlich ihr Manager oder Assistent, uns einen riesigen Topf frischer Blumen schickten, als Dank für die Möglichkeit, die Org zu sehen. Es war ein beeindruckender Topf, der viel Geld gekostet hat, aber er war nicht ausreichend, die Enttäuschung, die wir fühlten, wieder gut zu machen.
 

alexm

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Das Geburtstagsspiel oder die Geburtstagslüge?

Während der Zeit, in der ich in Berlin im Staff war, gewann die Berliner Org die internationale Geburtstagslüge, ich meine das internationale Geburtstagsspiel – zwinker, zwinker – fast jede Woche. Genauer: die Org gewann das gesamte Geburtstagsspiel für 2007-2008 und wird höchstwahrscheinlich auch 2008-2009 gewinnen.

Um das zu erklären: wenn eine Org das Geburtstagsspiel gewinnt, heißt dies, das bestimmte Statistiken im Bezug auf die Produktivität der Org nach oben gehen, wie der Buchverkauf, die Besucher im Buchladen, das Einkommen, die gegebenen Auditingstunden, beendete Kurse der Lernenden und so weiter. Für jedes erreichte Ziel bekommt die Org drei Punkte, diese Punkte werden zu einer Zahl zusammengezählt. Dabei konkurrieren alle Orgs gegeneinander, um zu sehen, welche die meisten Punkte kriegt und die Org mit den meisten Punkten gewinnt die Woche. Dies wird auch nochmal für ein Vierteljahr zusammengezählt, für ein halbes Jahr und dann gewinnt die Org mit den meisten Punkten, die sie über einen Jahr gesammelt hat und zwar international oder in ihrer kontinentalen Zone (Kanada, West-USA, Ost-USA, Lateinamerika, Europa, ANZO [Australien, Neuseeland, Ozeanien], Afrika und Asien.). Wenn eine Org das wöchentliche Spiel gewinnt, gibt sie eine große Party und speist ihre hungernden Mitglieder, die zu den Tischen mit dem Essen rennen, wie ein Horde wilder Schweine zu einem Trog. Wir bekamen so Rippchen, Pizza, Eis, Bier, Kuchen, Salat, Fried Chicken und anderes gutes, festes Essen. Trotzdem war dies Ergebnis eines Betrugs.

Erstens sagte LRH, dass eine Org, die das Geburtstagssspiel gewinnt, wohlhabend, leistungsfähig und überaus ethisch sei. Nach meinen Erfahrungen aus Berlin, würde ich sagen, dass all die leeren „Ideal Orgs“ kaum in der Lage sind, ihre Rechnungen zu bezahlen und somit kaum als leistungsfähig gelten können. Sie sind alle nicht ethisch mit dem ganzen Geldschmuggeln und illegalen Beschäftigungsverhältnissen. Sie sind ganz bestimmt nicht wohlhabend, wenn jedes einzelne Staff-Mitglied sehr billig lebt, praktisch mit nichts für sich selber. Das ist Betrug.

Zweitens ist es einfach für das lokale Management, zu manipulieren und zu lügen, um das Geburtstagsspiel zu gewinnen und das internationale Management tut nichts dagegen.

Ich möchte ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung bringen, wie die Statistik manipuliert wurde, einfach um das Geburtstagsspiel zu gewinnen. Als Direktor für Archiv, Bestand und Materialien (Dir RAM) für die Org hieß eine meiner Statistiken „Bestand und Reserven“. Im Wesentlichen ist jedes Möbelstück in der Org, Tische, Pulte, Stühle, Sitzecken, Telefone, Computer, Buchregale etc, ausgezählt und dann gibt eine Akte, wie viel jedes dieser Möbelstücke wert und wer für es verantwortlich ist. Wenn jemand zum Beispiel einen Arbeitsplatz mit Tisch, Computer, Sitzecke und Stuhl benutzt, wird darüber eine rote Karte angelegt, die als Material-Karte bekannt ist, weil es nach LRH Prinzip ist, dass jeder für seinen Arbeitsbereich verantwortlich gemacht wird.

Wenn ein neues Möbelstück und ein Stück Technologie, wie ein Computer oder Photokopierer, in die Org kommt, wird es sofort auf seinen Wiederverkaufswert geschätzt und die Statistik geht nach oben. Allerdings, wenn irgendwas kaputt geht oder beschädigt wird, wird der Wiederverkaufswert von den „Bestand und Reserven Liste“ gestrichen und die Statistik geht nach unten. Zum Beispiel: der Wert für „Bestand und Reserven“sind 15.000$. Die Org erwirbt einen neuen Photokopieren für 5.000$, also erhöht der Dir RAM (ich) die Statistik auf 155.000$. Wenn der gleiche Kopierer eine Woche später kaputt geht, wird „Bestand und Reserven“ von diesen 155.000$ wieder auf 150.000$ gesetzt.

Was in Berlin passierte, war etwas, dass als „Statistik pushen“ bekannt ist: Die Org öffnete im Januar 2007. Ich war nicht dabei und es gab damals nur einen Menschen als Schatzmeister. Dieser Man zählte, aufgrund seiner Inkompetenz und als Beispiel für seine galaktische Faulheit, nicht sofort den Bestand und erstellte auch keine der roten Karten für die tausenden von Möbelstücken aus, die nun undokumentiert waren. Der vorherige Dir RAM war meine hirntote, emotionale Chefin, was soll ich dazu sagen; außerdem war sie Teilzeit-Mitglied des Staffs und so gut wie nie in der Org. Jetzt ist sie nicht mehr im Staff, was gut für sie ist! Auch sie verzeichnete nicht die übrigen tausenden Euros im Bestand. Also wurde mir, als neuen Dir RAM, diese Aufgabe übertragen. Danke Arschlöcher. Entschuldigung für die Ausdrucksweise.

Also gewannen wir das Geburtstagsspiel durch eine böse, primitive, machtgeile Frau, die OES (Organization Executive Secretary, [Organisationleiterin] die Chefin von Division 3 – Buchhaltung, Division 4 – Technik und Division 5 – Qualifikation ist) mit dem Namen Sabine Harmuth. Sabine ist eine der unqualifiziertesten Führungskräfte, die ich jemals getroffen habe. Allerdings ist Hubbards „Admin Tech“ so angelegt, das jeder zur Führungskraft [in Scientology] gemacht werden kann und nach meiner Erfahrung sind diese Personen allesamt keine qualifizierten Firmenchefs. Jeden Dienstag Morgen stürmte sie in das Buchhaltungsbüro, dass eigentlich geschlossen sein sollte und beauftragte mich, rote Karte auszustellen. Ich sollte Karten für Sachen machen, die schon in der Org, aber noch nicht gezählt waren, damit wir damit den Geburtstagsschwindel gewinnen könnten. Sie sagte mir sogar, ob ich eine Karte für eine teures Stück ausstellen sollte, damit die Statistik richtig nach oben ging und eher für ein nicht so teures Stück, damit die Statistik nur ein wenig steigen würde. Ich meldete sie zu Ethic, aber die Ethic-Abteilung interessierte sich nicht dafür. Wir gewannen das Geburtstagsspiel. Letztlich hörte ich auf, mich dafür zu interessieren, denn wen wir gewannen, kriegte ich am Freitagabend etwas Ordentliches zu Essen und konnte einen Film schauen.

So funktioniert es, dass Berlin ständig gewinnt. Das internationale Management wird nichts dagegen tun, obwohl es gegen die eigenen Regeln ist, weil es so eine gute PR gibt, in Deutschland eine Org zu haben, die das Geburtstagsspiel gewinnt, obgleich es ein kompletter und totaler Betrug ist.
 

alexm

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2008: Jahr der Hoffnungen. Das Jahr, in dem ich Scientology verließ und mein eigenes

2008 begann für mich ziemlich unsanft. Weihnachten war scheiße; das Neujahrsevent [von Scientology] aus L.A. war scheiße, insbesondere wenn ich daran dachte, dass ich im Jahr zuvor mit meiner Mutter in L.A. war und dort das Video über die Berlin Org gesehen hatte, dass diesen ganzen Schlamassel ausgelöst hatte. Ich war total verarscht worden. Weiterhin dachte ich an L.A. und erzählte meinem Zimmergenossen, dass wir eines Tages dorthin gehen würden. Wir lachten über Berlin, als wäre es eine verblasende Erinnerung. Heute lebe ich in L.A., kann aber nicht zum Santa Monica Pier gehen, ohne an meinen Mitbewohner zu denken und daran, wie er und all die anderen guten Staff-Mitglieder weiter in Berlin leiden. Ich ging im Mai 2008 zum Santa Monica Pier, als ich aus dem Staff ausgeschlossen worden war und die ganze Zeit über konnte ich nicht aufhören, daran zu denken, wie glücklich ich war, während mein Mitbewohner weiter in der Hölle vergammelte.

Während die Wochen vorbeizogen, versuchte ich hauptsächlich zu überleben. Geringe Bezahlung, Gelenkschmerzen an meinen Händen und zudem kriegte ich wieder eine schlechte Haut, was – wie ich später herausfand – auf zu wenig Kalzium zurückzuführen war. Ein Scientologe mit Vitaminmangel? Ich kann die Ironie riechen. [Anmerkung: die Standardbehandlung bei realen oder angeblichen Krankheiten besteht bei Scientology im Purification Rundown, der viel Sport mit einer fast vollständig auf Vitamingetränke reduzierten Diät verbindet.]

Ich aß an fünf oder sechs Tagen in der Woche nur einmal am Tag; ich studierte nicht, stieg nicht auf der Bridge auf, wie mir versprochen worden war, und wurde auch nicht Auditor, obwohl ich dafür zu Scientology gegangen war. Ich zweifelte an meiner Zugehörigkeit zu dieser kriminellen „Kirche“ und niemand rührte einen Finger, um mir dabei zu helfen, ein Arbeitsvisum zu bekommen. Praktisch gab ich einfach auf. Ich verlor bis dahin rund 60 Pfund [um die 30 Kilogramm], von 300 Pfund [136 Kilogramm], die ich wog, als ich ankam war ich auf umwerfende 240 Pfund [108 Kilogramm] hinabgefallen. In den meisten Nächten weinte mich selber in den Schlaf, während ich meinen Hungerschmerzen bekämpfte. Das erste Mal seit der Highschool maß mein Bauch 40 Inches [rund 100 Zentimeter], meine Sachen schlapperen und passten mir kaum noch. Das war Irrsinn.

Mir war elend zumute, ich hatte keine Energie, war leblos, mit schwarzen Augenringen und um die Dinge noch Schlimmer zu machen, verpassten wir jedes Deadline, um die Größe von Saint Hill zu erreichen. Es gab nichts, worauf man zuarbeiten konnte. Es gab keine Hoffnung, nichts.

Diese Zeit war der Tiefpunkt meines Lebens. Ich war zu Scientology gekommen, als ich depressiv und einsam war. Drei Jahre und eine Millionen Erklärungen und Versprechen später, ging es mir noch viel schlimmer. Wo war der Fortschritt beim Clearen des Planeten? [Erklärtes Ziel von Scientology ist es, den Planten zu „clearen“, d.h. Säubern. Die Bedeutung dieses „Clearens“ wechselt mit der Wissensstufe, die jemand innerhalb der Organisation erreicht hat.] Und das mit hungrigen Menschen, wie mich, die hassten, was sie taten? Auf keinen! Der Planet wird nicht gecleart werden, weil es nur um Geld und Macht geht, nicht um Humanität. War ich vielleicht vor Hunger wahnsinnig geworden? Nein, ich hatte Recht, aber es war damals schwer, sich das einzugestehen.
 

alexm

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Deutschland verlassen, aber nicht einfach so

Am 4. Januar 2008 erhielt ich einen Brief vom Stellvertreter im DSA, der eine offizielle Stellungnahme zu meiner Situation beinhaltete. Ich war geschockt, dass er sich mit mir befasst hatte. Ich habe das Dokument immer noch und es sagt im Großen und Ganzen, dass ich nicht hart genug an meiner eigenen Situation gearbeitet hätte, dass ich bei meiner Ankunft dem Staff zugeordnet worden wäre und deshalb das DSA praktisch von seiner Verantwortung für mich entlastet wurde und die Rechtsabteilung mir helfen würde, einen Job zu bekommen. Sie vermerkten sogar in meiner Akte, dass ich meine Deutschstunden abgebrochen und damit meine Aufenthaltsstatus gefährdet hätte. Der Brief war Mitte November geschrieben worden. Jetzt war es der 4. Januar, rund sechs Wochen später. Effiziente Arbeitsweise, oder? Ich hatte neun Monate lang mit diesem Unsinn zu tun.

Das ganze führte zu einem KR [Knowledge Report, Selbst- oder Fremdbezichtigungsschreiben, die innerhalb Scientologies über eigene „Vergehen“ oder die „Vergehen“ anderer geschrieben werden] beim Exec Esto [Executive Establishment Officer, ausführender Direktorin]. Bevor ich Scientology verließ, schrieb ich nicht nur diesen Bericht, sondern zudem ein „Job Endangerment“ [Arbeitsfehlerbericht, eine andere Form des Selbstbezichtigungsberichts] an die DSA, den Stellvertreter im DSA, die Rechtsabteilung und die Dir RAP [Chefin der Abteilung für Personalentwicklung], darüber, dass sie mich illegal eingestellt und angeleitet hatten. Danach schrieb ich zwei KRs, einen wegen dem Brief vom 4. Januar zum Stellvertreter im DSA und einen an Dir RAP. Diese habe ich alle bis heute aufgehoben. Meines Wissens taten die Ethic-Offiziere nichts besonderes damit.

Am 14. Januar 2008 wachte ich früh auf, weil ich einen Arzttermine hatte, um ein Rezept erneuern zu lassen. Ich ging aus meiner Wohnung und sagte zu mir selber, dass ich den Briefkasten leeren sollte, weil ich das seit einigen Tagen nicht getan hätte. Im Briefkasten fand ich einen Brief der deutschen Ausländerbehörde. Scheiße, was wollten die von mir? Der Brief enthielt einen Termin, 14. Januar 2008, 8:00 Uhr. Oh Mann, es war 7:00 Uhr, deshalb ging ich zur Ausländerbehörde, ohne vorher zur Org zu gehen oder der DSA etwas zu sagen.

Ich ging ins Büro und traf den Sachbearbeiter. Er sagte mir, dass die Sprachschule zufällig kontaktiert wurde, um herauszufinden, ob ich weiterhin meine Deutschkurse nehmen und daran arbeiten würde, ein legaler Einwohner zu werden. Nachdem die Schule mitgeteilt hatte, dass ich meine Stunden im November abgebrochen und nicht wieder aufgenommen hatte, wurde ich gefragt, wieso. Ich sagte ehrlich, dass ich mit meiner Arbeit bei Scientology nicht genügend Geld verdienen würde und er teilte mir mit, dass ich unverzüglich nach Kanada zurück müsste. Als ich fragte, was unverzüglich meinte, sagte er, genau jetzt. Der Sachbearbeiter hatte die Möglichkeit, sofort die Polizei zu rufen und mich zum Flughafen begleiten zu lassen. Nachdem ich bei ihm eine Stunde lang gebettelt hatte, sagte ich ihm, dass ich für den 11. Februar einen Flug nach Kanada gebucht hätte. Er meinte, dass ihm das egal sei und er die Befugnis hätte, mich sofort in eine Polizeiauto zu setzen und entweder ins Gefängnis oder zum Flughafen bringen zu lassen.

Ich bettelte und bettelte ihn an, mir entgegen zu kommen und schließlich tat er das. Er übersandte meine Pass an die kanadische Botschaft, bis ich mit einem Flugticket nachweisen könnte, dass ich Deutschland am 11. Februar verlassen würde. Das musste ich selbstverständlich der Org berichtetet und sie packten mich für vier Tage in die Hölle mit Sec Checks, Ethikprüfungen, Menschen, die mich fünf, sechs, sieben Mal am Tag bei der Arbeit unterbrachen, um mir bescheuerte Plänen und Theorien zu erzählen. Das macht mich krank.

Am 18. ging ich wieder zur Ausländerbehörde und erhielt, nachdem ich mein Flugticket vorgezeigt hatte, meinen Pass zurück. Ich ging zurück zur Org und schrieb alles auf, inklusive meiner Enttäuschung über die fehlende Unterstützung durch die DSA und meine faule Rechtsbeauftragte, was mir noch mehr Probleme von Seiten der HCO einbrachte.

Die nächsten vier Wochen können nur als das Schlimmste vom Schlimmen bezeichnet werden. Es gab lustige und unlustige Ereignisse sowie traurige und böse Begebenheiten.
 

alexm

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“I’ll Tell Saint Peter To Let Me In, I’ve Served My Time In Hell.”

(„Ich fordere vom Hl. Petrus, mich einzulassen, da ich meiner Zeit in der Hölle abgesessen habe“)

Die Überschrift ist ein geflügeltes Wort der Marine aus dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere der Soldaten, welche die Schlachten auf Tarawa und um Guadalcanal überlebt hatten.

Nachdem die Situation so erschreckend war, wurde die DSA endlich unruhig und begann, etwas zu tun, aber nicht das Richtige. Ich präsentierte ihnen ein Ausweisungsdokument, welches besagte, dass ich Berlin nicht verlassen dürfte und zudem die Gründe und Verfehlungen aufzählte, wegen derer ich Deutschland verlassen müsste. Später zeigte ich das Dokument einem Zollbeamten, während einer Untersuchung, in der mir mitgeteilt wurde, dass es schwer für mich sein würde, wieder nach Deutschland einzureisen und das ich es vielleicht nie wieder würde tun können. Dies passiert am Flughafen in Frankfurt/Main. Es machte mich wütend, weil ich gerne wieder nach Deutschland zurückkehren würde, um mit einer Frau namens Ursula Caberta in Hamburg [Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Scientology bei der Behörde für Inneres in Hamburg] zu sprechen und auch auf Konferenzen aufzutreten. Ich habe mit Ursula telefoniert und werde ihr meine gesamte Geschichte mailen.

Egal, in den nächsten vier Wochen wurde ich mehrfach in Sec Checks geschickt, aber es konnte nichts beobachtet werden. Ich wurde persönlich von der HAS, meinem sogenannten Freund und der Exec Esto durch ein verlogenes Ethic-Programm geschickt. Die Exec Esto, die jetzt glaube ich LRH Communication Officer in Berlin ist, war eine wirklich süßes Mädchen aus Sardinien, mit der ich mich befreundet, weil sie gut Englisch sprach. Sie ist Sea Org Mitglied für die DSA Europa in København, aber sie wurde sofort sehr beleidigend und herablassend, als klar wurde, dass ich Deutschland würde verlassen müssen.

Beide, die HAS und die Exec Esto, entschieden, dass ich mit dem PPO oder Personnel Procurement Officer [Beauftragter für Beschaffung] der ORG zusammenarbeiten würde. Er war in Deutscher, geboren in Stuttgart, mit ungarischen Eltern. Er mochte mich, wie alle Ungarn, weil mein Vater in Budapest geboren wurde. Wir begannen an etwas zu arbeiten, was als „First Dynamic Conditions“ aus dem Buch „Hubbard Life Orientation course“ [deutsch: „Erste Dynamic“ aus dem „Hubbard-Kurs für die Orientierung im Leben“] bekannt ist. Der Kurs selber kostet einige tausend Dollar. Trotzdem ging ich in den nächsten Woche durch die Voraussetzungen meiner „Ersten Dynamik“, die heißt „Überleben des Selbst, des Individuums“.

Notiz: Später fand ich heraus, dass dies extrem ernst gemeint war, weil die „Erste Dynamik“ normalerweise für Menschen genutzt wird, die versuchen, Selbstmord zu begehen oder Ähnliches, aber nicht für meine Situation.

Ich werde die „ethischen Zustände“ von gut zu schlecht auflisten:
Power Change
Power
Zuschauend / Daneben stehend
Normal
Notfall
Gefahr
Nicht-Existenz
Schuld
Lüge
Feind
Verrat
Konfus / Verrückt

Mir wurde der Zustand des „Verrats“ zugeschrieben, weil ich es laut der Org zulassen würde, dass die deutsche Ausländerbehörde mich aus dem Land werfen würde, dies sei ein Treuebruch. Die Org hatte mir vertraut und ich hatte sie betrogen. Unnötig zu sagen, dass ich vollkommen verrückt wurde, aber ohne Energie und Widerstandskraft war es für mich noch härter, überhaupt jeden Tag aufzustehen.

In den nächsten Wochen machte ich den Kurs. Ich ließ es zu, dass ich kaum noch aß, wenn überhaupt konnte ich mir höchstens Schokolade leisten. Das war ein Verbrechen, ein noch Schlimmeres Verbrechen als der Fakt, dass die Bezahlung für den Staff noch nicht mal ausreicht, um ein einigermaßen anständiges Leben zu führen. Eine „Realisationen“ wurden während des Programms gemacht, dass ich durchlaufen musste. Ich hatte einen ARC [Affinity, Reality and Communication; Affinität, Realität und Kommunikation] Bruch mit meinem Körper. Ich behandelte ihn schlecht, weil ich nicht richtig aß. Nochmal: zu diesem Zeitpunkt bezahlte mir die Org wöchentlich weniger als 20.00€ und das war mein einziges Einkommen.

Später wurde ich dazu genötigt, anzuerkennen, dass ich die DSA wegen meiner verborgenen, schlechten Absichten nicht um Hilfe gefragt hätte. Also schrieb ich dies auf, aber der Man, der mir half, war zu dieser Zeit nicht im Raum und ich tat es nur, weil ich mich unter Druck gesetzt fühlte. Dort, wo ich saß, stand direkt vor mir meine Ethic-Akte. Ich schaut nach meinen schlechten Einträgen, da ich nun als Verräter galt, doch sie standen nicht drin. Aber einige Teile meiner „Lügen“ bzw. meines „Verrats“ befanden sich im Ordner. Ich nahm sie aus dem Ordner und versteckte sie zusammen mit neun Seiten mit Overts und Withholds [„Verbrechen“, die man offen zugibt (Overt) und „Verbrechen“, die man vor anderen geheimhält (Withhold)], die ich an die Exec Esto geschrieben hatte. Ich stahl mir diese Papiere zurück und besitze sie nun zusammen mit anderen belastenden Dokumenten.
 

alexm

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11. Februar 2008 – Der beste Tag meines Lebens, aber frei bin ich noch nicht

Ungefähr eine Woche bevor ich ging, rief mich die Exec Esto in ihr Büro. Sie hieß mich direkt vor ihrem Tisch sitzen und meinte, dass sie nicht glauben würde, dass ich Berlin verlassen würde, weil das nicht ihr Wunsch sei. Ich fühlte mich in diesem Moment erschöpfter, als jemals zu vor, deshalb lachte ich sie einfach aus. Sie meinte, dass sie die Lösung zu meinen Problemen kennen würde. Sie starrte mich mit ihren schönen Augen an und meinte, wenn ich über den 11. hinaus in Berlin bleiben, also das Gesetz brechen würde, würde ich einen Purification Rundown machen können und eventuell die Dinge klären können, die mich dazu gebracht hätten, die Ziele in Berlin aufzugeben. Ich starrte zurück in ihre schönen Augen, auf ihr hübsches Gesicht und dachte bei mir selbst: Sie ist ein scheiß Sea Org Mitglied, Teil der ethischsten Gruppe des Planeten? Bin ich wegen meinem Hunger schon wahnsinnig geworden? Nein, es war wahr. Sie wollte tatsächlich, dass ich illegal nach meinen Ausreisedatum in Berlin bleiben und mich dem Risiko aussetzen sollte, dafür eingesperrt zu werden.

Ich habe niemals eine Verbrechen begangen, bevor ich bei Scientology einstieg. Ich habe niemals gestohlen, niemand verletzt und habe keine Polizeiakte. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Ich machte meinen Punkt, indem ich auf ihre Brust starrte, damit sie unkomfortabel fühlte. Das wollte ich für eine Weile tun, dann ging ich mit einem wütenden Geschichtsausdruck hinaus. Ich schrieb sie sofort für Ethic auf, aber – Überraschung, Überraschung – nichts passierte.

Am Tag,bevor ich Deutschland verließ, hatte ich einen CSW beantragt, der aber wieder ablehnt wurde. Also war ich nicht in der Lage, einen Tag frei zu nehmen. Ein HCO-Mitglied besuchte mich zu hause und brachte einen sarkastischen Kommentar über mich, wie ich um ein Uhr nachmittags Fernsehen schaute und Flakes aß, an einem Tag, an dem ich dachte, ich hätte frei. Arschloch! Also arbeitete ich bis nach Mitternacht, übergab meine Sachen an meine gehirntote Vorgesetzte und kümmerte mich um viel mehr Dinge, als von mir verlangt wurde. Letztlich bekam ich dafür eine großes Lob von der HCO. Große Sache das...

Am nächsten Morgen erwachte ich, begeistert davon, zu gehen. Mein Flug verließ Berlin nach Frankfurt/Main um 8:00 Uhr. Ich verabschiedete mich von meinem Zimmergenossen und schwor ihm, das wir uns in L.A. am Santa Monica Pier wiedertreffen und ein gutes Essen haben würden. Er war betrübt, mich gehen zu sehen und ich war traurig, einen Freund zu verlieren.

Ich nahm den Bus zum Flughafen, der an der Org vorbeigeht. Auf dem Weg dorthin dachte ich darüber nach, ob ich vielleicht falsch lag. Eventuell sollte ich bleiben. Tat ich das Richtige? Dann hielt der Bus wegen einer roten Ampel Ecke Otto-Suhr-Allee / Cauerstraße und ich konnte in die Org hineinschauen. Ich sah die beiden Menschen auf Nachtwache. Beide waren übernächtigt und sahen erschöpft aus, so wie sie die Arme über die Stuhllehne hängen ließen. Und dann begann ich etwas zu fühlen, was ich nur als Gefühl ihrer Erschöpfung beschreiben kann und war davon überzeugt, dass ich das Richtige tat.

Ich kam am Flughafen an und checkte ein. Das erste Mal, seit ich in Deutschland war aß ich bei Burger King und brach mehrfach fast zusammen. Ich stieg in das Flugzeug und dachte, noch 10 Stunden und ich bin zu hause. Das Flugzeug hob ab und ich fühlte mich frei. Stunde um Stunde ging vorbei, inklusive des Stopps in Frankfurt/Main und meinem Treffen mit dem Zöllner. Ich sagte mir immer wieder, neun Stunden und du bist zu hause, acht Stunden, sieben Stunden, sechs Stunden, fünf Stunden, 4, 3, 2, 1. Dann landete ich in Toronto. Ich war frei...

Ich kann das Glücksgefühl nicht beschreiben, dass ich hatte, als ich meine Taschen kriegte, aus dem Terminal hinausging und meine Mutter sah. Das war der Punkt, wo es emotional wurde... Ich sah, wie sich ihr Gesicht aufhellte. Ich war zu froh... Sie wird sich um mich kümmern und mich lieb haben.

Ich verbrachte meine Zeit in der Hölle, aber nun war ich zu hause, frei und zufrieden. Scientology hat das nicht fertig gebracht, dass war ich selber.
 

alexm

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Wie ich Scientology richtig verließ: Die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe

Zwei Wochen, nachdem ich zu hause angekommen war, wurde ich von einer Welle von Telefonanrufen von PAC Base [Pacific Area Command Base, Leitung der Scientology-Niederlassung im Norden der USA] überrollt. Sie kamen von der Sea Org. Sie begannen schon eine Woche, bevor ich nach Toronto aufbrach und sie machten mich krank. Ich bekam drei oder vier Anrufe pro Tag. Sie versuchten, mich für die Sea Org zu werben, obwohl ich ihnen gesagt hatte, dass ich nicht für die Sea Org getestet worden war und dass ich mich medizinisch auch nicht eignen würde. Das spielte keine Rolle. Ich erinnere mich, dass ich einmal einen Telefonanruf bekam, der so lang war, dass ich eine Episode von Lost verpasste. Das ist etwas, was du mir nicht antun solltest! Schließlich, als meine Widerstandskraft schwächer wurde, beauftragte ich – damit ich es nicht tun musste – jemand in San Francisco, PAC Base anzurufen und ihnen klar zu machen, dass sie sich verpissen sollten.

Im März 2008 war ich wieder im Staff in San Francisco, um meinen Vertrag zu erfüllen, da ich Angst hatte ansonsten eine Freeloader Rechnung zu erhalten. [Mitglieder des Staff und der Sea Org erhalten Kurse kostenlos, die ihnen aber in Rechnung gestellt werden, wenn sie Scientology verlassen, zumindest versucht Scientology dies immer wieder und setzt die Drohng, dies zu tun, als internes Druckmittel ein.] Ich arbeiten mit einem Visa für religiöse Mitarbeiter, also nicht illegal. Schließlich machte ich mir zwei Freunde, wurde angeklagt, ein Affäre mit einer von beiden (einer Frau) zu haben, sah einige gute Filme und hasste meine reichen, snobistischen Mitbewohner.

Mein erster Eindruck in der SF (San Francisco) Org war: man, ist das hier leer. Später wurde mir bestätigt, dass alle „Ideal Orgs“ eine Geldverschwendung sind, nicht nur in Berlin. Ich fuhr in der South Bay Area herum und sah eine leere Mountain View Org, eine leere Los Gatos Org und eine Stevens Creek Org mit einer Akademie für 250 Personen, die an einem Samstag von zwei Lernenden besucht wurde. Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld diese Orgs sind. Ich weiß, dass ich an einer Lüge beteiligt war, die von oben nach unten gesteuert wird.

Zehn Wochen später wurde ich nach der „HCO PL Enrollment in a Supressive Group“ [Anweisung, wie jemand zu behandeln ist, wenn er in einer „Supressive Group“ (d.h. zumeist einer kritischen) aktiv ist/war] aus dem Staff hinausgeworfen. Der Grund war, dass ich in meiner Zeit vor Scientology für eine Stunde oder so bei ARS angemeldet war. Ich wurde am 12. Mai 2008 gefeuert und ging für ein paar Tage nach Los Angeles. Das war der Zeitpunkt, an dem ich zum Pier ging und merkte, wie viel Glück ich hatte. Ich ging zur PAC Base und traf mich mit der gleichen Person, bei der ich im Dezember 2006 meinen Sea Org Vertrag unterschrieben hatte. Ich fragte ihn, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass ich mit OSA über meiner Erfahrungen in Deutschland sprechen könnte. Er machte mit mir irgendwelchen PR-Bullshit und ignorierte meine Anfrage. OSA war es egal.

Es war der 16. Mai 2008 und ich stand davor, am nächsten Tag in meine Heimat zurückzukehren. Ich stand vor der ASHO (American Saint Hill Org) am L. Ron Hubbard Way, um neun Uhr abends, und eine Frage tauchte in meinem Kopf auf, eine Frage, die mir viel Stress erspart hätte, hätte ich sie mir früher beantwortet.

Ist Scientology es wert, dass alles aufzugeben?
Meine Freunde
Meine Familien
Meine Zeit
Mein Geld
Meine Gesundheit
Meine Karriere
Meine Ausbildung
Mein Blut, Schweiß und meine Tränen und schließlich
Meine Seele

Nein, sicher nicht!

Ich kam nach hause und die ersten zwei Wochen waren wirklich hart. Ich litt unter etwas, was ich einzig als irgendwie ähnlich zur Posttraumatischen Belastungsstörung („Post-Traumatic Stress Disorder“) beschreiben kann, durch das Soldaten oder Vergewaltungsopfer hindurch müssen. Aber alles, was ich tat, war nur, eine blöde, kleine Sekte zu verlassen.

Ich hatte einen Job, der nicht funktionierte und dachte, dass ich PTS bin und wäre deshalb fast zu Scientology zurück gegangen. Dann sah ich im Juli Jason Beghe's Video auf Youtube [http://xenutv.wordpress.com/2008/04/21/jason-beghe-interview/], ohne zu wissen, dass er Scientology Anfang des Jahres verlassen hatte. Ich sprach über Facebook einmal mit Jason und dankte ihm, weil sein Video wirklich erstaunlich ist und mich ernsthaft aufweckte. Falls ihr es noch nicht gesehen habt: es rettete mich davor, wieder zurückzugehen und weiter missbraucht zu werden.

Ich will euch allen dafür danken, dass ihr meine Geschichte gelesen habt. Auch möchte ich meinen Freunden und meiner Familien (Mutter, Vater, Schwester, Tante, Onkel, Cousins) für ihre Unterstützung danken und denn folgenden Kritikern und Ex-Scientologen für ihre Inspiration.

Ohne spezifische Ordnung: Danke
Jason Beghe
Mark Bunker
Andreas Heldal-Lund
Tory Christman
Dennis Erlich
Arnie Lerma
Tom Smith
Stacy Brooks
Vaughn Young (R.I.P.)
Gerry Armstrong
Graham Berry
Ursula Caberta und ihren Mitarbeitern in der Arbeitsgruppe Scientology in Hamburg, Deutschland
Jessie Prince
Lawrence Woodcraft
Greg und Debra Barns
Dr. Peter und Abby Lazernik
Jim Beebe (R.I.P.)
Ron De Wolfe (R.I.P.)
Maria Pia Gardini
Michael Pattinson
Peter Alexander
David Touretzky
Steven Kent
Steve Hassan
John Duignan
Marc Headly
Larry Brennan
Vinaire und Alonzo aus meinen „gläubigen“ Tagen
Kendra Wiseman, Jenna Miscaviage Hill und Astra Woodcraft von Ex-Scientology Kids
All meinen Freunden auf den Ex-Scientologist Message Boards
Alt.Religion.Scientology
Project Chanology in SoCal [Southern California], Toronto und Berlin
Dem Lisa McPherson Trust
Allen Ex-Mitgliedern, die Videos auf Youtube machen

Ein spezieller Dank geht an die Jungs und Mädchen von Anonymous! Kämpft weiter den guten Kampf! Wir werden gewinnen, weil wir gewinnen müssen!
 
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